Dienstag, 28. Juni 2011
Inside the box
Dann haben wir uns wiedermal ein bisschen über die Lage in Griechenland und über die auch so heftig hochgekochten Emotionen den "anderen" gegenüber ausgetauscht.
Schließlich wurde festgestellt, dass es im Endeffekt so sein wird, dass wir, also Deutschland, die Griechen aufkaufen werden. Geld haben sie ja schließlich keins mehr. Naja, interessanter war, dass wir später - bei besagtem Kaffee - dann darauf gekommen sind, dass die EU eigentlich die Schuld trägt, da durch sie erst ermöglicht wurde, dass internationale Unternehmen und Banken sich in anderen Ländern einkaufen können und dort nun mehr oder weniger direkt das Zepter schwingen. Das ist Globalisierung vom Feinsten.
Ich frage mich, ob die EU eine Auswirkung oder eine Ursache der Globalisierung ist. Bis heute hätte ich auf Auswirkung getippt. Irgendwo tief in mir war ich froh, dass ich in einem großen und mächtigen Wirtschaftsraum lebe, der es schafft, den USA und China paroli zu bieten. Aber die EU - oder besser gesagt den EU-Gedanke - gibt es ja nicht erst seit gestern. Das ging ja schon in der Mitte des letzten Jahrhunderts los. Und vielleicht ist es ja so, dass die anderen - also die USA und China - aufgrund der frühen Aktivitäten in Zentraleuropa - sich bedroht gefühlt haben. Vielleicht haben die ja reagiert....
Mein Kollege meinte, dass die wirtschaftliche Übernahme Griechenlands durch Deutschland einem Krieg gleichkommt. Eins ist mal klar: Wenn die Deutschen kommen und meinen, es besser zu können, als die Griechen, dann ist es Asche mit deren Selbstbestimmung. Im Prinzip stimmt es: Es ist ein Krieg der Wirtschaftssysteme. Und am Ende braucht Deutschland keinen Österreicher an der Spitze, um die Vorherrschaft in Europa zu erlangen.
Die Frage ist nur: Soll das so sein? Wollen wir das? Wir sehen ja was passiert, wenn ein lebenslustiges Volk wie die Griechen dazu genötigt wird, deutschen Maßstäben zu folgen. Es herrscht Chaos. Anderen Nationen würde es da sicherlich nicht anders gehen. Nicht, weil die Werte, die ihnen aufgezwungen werden, aus Deutschland kommen, sondern weil sie ihre eigenen - die die sie dann nicht mehr leben können - abhanden kommen.
Ich will das nicht. Ein System für alle. Das gibt es schon genug: Steuern muß man an das System zahlen, Bildung wird durch ein System geregelt. Alles ist geregelt. Man kann dem System aber auch nicht entkommen, denn wenn man das eine verläßt, ist man im anderen bereits drin. Ich will das nicht. Keiner will das. Jeder ist mit irgendeinem Aspekt der etablierten Systeme, die unser Leben regeln, unzufrieden zu sein. Wieso gibt es sie also? Wer hat sich eigentlich ausgedacht, dass Menschen nur in solchen Systemen zusammen leben können?
Meiner Meinung nach ist es so. Man müßte einander vertrauen...Dann braucht man auch keine Systeme um zu regeln, was passiert, wenn einer nicht tut, was er dem anderen versprochen hat. Und wenn das mal passiert, dann müßten alle soviel Mut haben zu sagen, dass es dafür schon einen entsprechenden Grund gibt.
Dann bräuchte man keine Systeme.....
Dienstag, 14. Juni 2011
Die neuen Abenteuer
Aber manchmal kann man sich der äußerlichen Eindrücke und Einflüsse in ihrer Gänze nicht erwehren. Ein Beispiel hierfür sind die Gespräche von Jugendlichen.
Es gibt ja welche, die erzählen wie sie Fußball spielen. Das ist ja ok. Bei denen nervt nur, daß es sich meistens um solche handelt, die ich die Kopf-Schüttel-Teenager nennen. Jungs mit extra in die Stirn oder über die Schläfen gekämmte Haare, die locker fallen sollen (oder die zumindest diesen Eindruck erwecken sollen). Und damit sie das tun, machen sie eine Kopf-Nick-Schüttel-Schwing-Bewegung. Das ändert jedoch gar nichts an der Lage der Haare, sieht voll blöde aus, weil es eher an eine Krankheit erinnert und wenn das einer direkt neben mir tut, dann hab ich den Eindruck, er will seine Schuppen oder was auch immer sich in seinen Haaren befindet auf mich werfen....
Es ist aber auch interessant den Gesprächen älterer Teens zuzuhören. Diese sind meist über die Phase körperlicher Ertüchtigung hinaus und haben sich der virtuellen Welt zugewandt. Ihre Gespräche beinhalten meistens eine Aufzählung der Programme, die sie gestern nachmittag/abend benutzt haben. Ausserden findet die Konversation über längere Zeit einseitig statt, d.h. nur einer berichtet und der andere macht immer nur "Hmm" oder "Cool".
T1: "Erst hab ich ein bisschen Facebook gemacht, dann noch im ICQ und Twitter."
T1: "da hab ich diesen Typ mit den übelsten Pickeln - kennst du den? - ...."
T2: "nee"
T1: "...im ICQ geadded. Dann hab ich mit dem gechattet."
T1: "Hab ihn so gefragt, ob er die Tussi aus der 8. kennt."
T1: "Er so: nö!"
T1: "Und ich so, echt nicht??"
T1: "Und er so: nö."
T1: "Dann hab ich dem Tim ne SMS geschickt. Und dann musste ich 13 Stunden auf ne Antwort warten. Früh um 5 hab ich die SMS geschickt...."
T1: "und dann so nach dem Abendbrot hab ich ihn um 9 mal angerufen und gefragt: Ich hab dir heute früh um 7 ne SMS geschickt, wieso antwortest Du nicht?"
T1: "Und er so hat wieder nicht geantwortet und dann ich so: Das find ich total scheisse"
Usw. usw. Es ist bemerkenswert: Teenager berichten über ihre Kommunikationsabenteuer.... Als ich gestern dann wieder nach hause gefahren bin, saßen mir im Zug zwei Leute gegenüber: einer war wohl ein Russe, der in Frankreich lebt und zu seinem Kollegen nach Deutschlabnd gekommen ist, um dort einene Workshop zu machen.
Die beiden haben sich angeregt unterhalten - auf englisch. Und besagter Russe meinte dann irgendwann: "Es ist interessant, in Deutschland sprechen die Leute in den Zügen überhaupt nicht miteinander. In Mexiko z.B. geht das sofort los, kaum sie sitzen: "Hallo", "Wo fahren sie denn hin?" ....
Es muss also wohl so sein, dass hier in unseren Gefilden die Leute irgendwann aufhören, auf Kommunikation wert zu legen....
Dienstag, 7. Juni 2011
Somewhere else
der "theoretisch da und dort enden müsste", ist einfach faszinierend. Denn entweder entdecke ich etwas neues oder ich kenne eine neue Verbindung in einem bekannten Gebiet.
Dienstag, 15. März 2011
Me and my digital self
Ich saß heute früh wie immer 10 Minuten vor dem Fernseher und habe mir die Wiederholung eines Politmagazins von gestern abend angesehen - Monitor. Da kam ein Beitrag über die "Digitale Revolution" und über die Gefahren, die dem "Digitalen Ich" drohen.
Es war zum Kopfschütteln. Da sitzt also eine Redaktion voll von Journalisten - Internetusern - und philosophiert über das Internet. In ihrem Beitrag haben sie natürlich auch Experten interviewt, um dem ganzen einen ernsthaften Touch zu geben und im Kern finde ich die Aussage, dass personenbezogene Daten im Netz besonders geschützt werden müssen, wichtig und richtig.
Aber die Art der Berichterstattung - und damit meine ich im besonderen den Kommentar des Beitrags - ist zum Kopfschütteln. Auf extrem metaphorische Art
und Weise wird versucht dem Normalverbraucher das Thema nahezubringen. Allein das "digitale Ich" ist meiner Meinung nach verwerflich.
Wir haben noch nicht einmal verstanden, was das "wirkliche Ich" - sofern es das überhaupt gibt - ist und in den Medien wird ein "digitales Ich" propagiert. Durch die Verwendung einer solchen Metapher wird - und das passiert ber der Verwendung von Metaphern im Allgemeinen - das Komzept und die Beziehungen, die mit diesem Konzept in Verbindung stehen - in einen neuen Sachverhalt übertragen. Also wird das Konzept "Ich" aus der echten in die "digitale Welt" übertragen.
Es wird also ein immer noch nicht fassbares Konzept der echten Welt in die für viele Menschen nict fassbare "digitale Welt". "Ich" ist ein Gefühl, ein Gedanke. "Ich" ist für jeden etwas anderes (oder auch nicht - aber das werden wir nie erfahren). Aber das was in der "digitalen Welt" als "Ich" bezeichnet wird, ist meßbar und erfassbar. Es ist abzählbar und kann nachgelesen werden. Es kann gemanaget werden - von Reputationsmanagern, die dafür viel Geld bekommen.
Die Konzepte sind nicht gleich und sie sind auch nicht ineinander übertragbar. Aber sie werden dazu gemacht, wenn eine Redaktion voll von Journalisten sich anschickt, das Internet verstehen zu wollen und wenn sie die "Einsichten" oder "cleveren" Vergleiche mit Hilfe eines Fernsehsenders in die Köpfe von tausenden Menschen projizierr.
Dienstag, 18. Januar 2011
Fassade
Was mir nicht klar ist: Wenn ab dieser Hirarchiestufe mehrheitlich "gelogen" wird, wissen dann diese Menschen davon, dass sie sich gegenseitig belügen? In dem gestern geschilderten Fall muss das offensichtlich so sein. Sie hatten sich ja vorher abgesprochen. Und wenn sie schon wissen, dass sie sich belügen, kennen sie dann auch die "wahre" Botschaft?
Wenn dem so ist, dann sind die Lügen, die sie sich erzählen eigentlich gar keine Lügen mehr, ausser sie erzählen diese Lügen anderen Leuten, die die "wahre" Botschaft nicht kennen. Aber im Prinzip spielen die Leute dann eher Theater. Ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht habe ich jetzt erst erkannt, was der Unterschied zwischen Privat- und Geschäftsperson ist.
Jetzt stelle ich mir mal folgendes Szenario vor: In einer Firma soll analysiert werden, wie effizient innoviert werden kann. Aus diesem Grund erlässt der Chef auf der höchsten Hiratchieebene den "Befehl": "Macht Lean-Innovation-Workshops!" Er tut dies jedoch nicht, weil er das selbst will, sondern er tut dies, weil die Aktionäre sehen wollen, dass ihr Geld gut angelegt ist. Aber eigentlich steht er nicht dahinter.
Was ist die Folge? Die Mitarbeiter unter ihm (auch noch Chefs, aber nicht mehr so hohe) veranlassen die Durchführung der Workshops. Entsprechend weit runter blubbert dieser Befehl, jedoch hat keiner, der ihn empfängt, wirklich Lust, ihn auch auszuführen und ehrlich zu analysieren, wie gut innoviert wird. die Maßname ansich ist eine tolle Sache, aber keiner hat Interesse, sie durchzuführen, da - jetzt wird es persönlich - er befürchtet, dass seine Fehler (die er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch gemacht hat) drohen, ans Tageslicht zu kommen.
Aber alle müssen mitmachen, weil sie schräg angesehen werden, wenn sie es nicht tun. "Wieso machst Du nicht mit? Bist Du nicht daran interessiert, unsere Firma zu optimieren? Was hast Du zu verbergen?". Mit dem schräg ansehen von nicht kooperationsbereiten anderen Menschen kann man nämlich sehr gut von dem eigenen Nicht-Kooperieren ablenken....
Sie machen es also alle mit. Bei den verordnete Workshops belügen sie sich und melden nach oben, dass alles bestens ist. Sie loben sich gegenseitig in den Himmel, um sich das durch die Schandtat verloren gegangene Selbstbewußtsein auf einfach Art und Weise wieder zu beschaffen.
Es wird nichts passieren. Der höchste Chef bekommt die Meldung: "Alles optimal!" und freut sich, dass er den Aktionären melden kann, dass ihr Geld gut angelegt ist. Er hat auch gar kein Interesse, schlechte Botschaften zu überbringen, denn dann wäre ja auch er - der er alles verantwortet - plötzlich in der Kritik und müsste sich fragen lassen, wieso unter seiner Leitung solche Mißstände vorhanden sind.
Ich glaube, ich habe jetzt verstanden, wie eine Organisation von sich belügenden Menschen funktioniert. Zumindest habe ich ein konsistentes Bild. Gestern habe ich mich darüber noch geärgert, aber heute nicht mehr. Ich weiss jetzt, was ich von den Chefs in einer solchen Organisation zu halten habe. Ich will auch nicht behaupten, dass alle so sind, sicherlich gibt es den einen oder anderen, der sich wirklich verantwortlich fühlt. Ich kenne sogar welche. Aber die haben sicherlich ein schweres Leben. Und wenn ich ein Chef wäre, dann hätte ich das auch.
Montag, 17. Januar 2011
Eine Illusion
Die erste habe ich bekommen, während wir meine Folien für den Vortrag besprochen haben, den ich am Donnerstag halten soll. Das Publikum besteht aus Vertretern unserer Business Units, denen gegenüber wir uns gut darstellen sollen. Das ist solange ok, solange es nicht notwendig wird, explizit und fast wörtlich herbeten zu müssen, dass wir toll sind, weil wir ganz viele Dinge tun. Wenn es jedoch in die Angeberrichtung abdriftet, dann wird es unangenehm.
Wie dem auch sei - wir sind also toll und wir sagen das auch so. Mann, sind wir toll. Meine Brust ist stolz geschwellt. Die Anweisung, das so rüber zu bringen, kommt von meinem Chef.
Die zweite Lektion kommt von eben diesem selben Chef. Wir sitzen - nachdem wir mit den Folien fertig sind - beim Mittagessen. Da erzählt er, wie er mit einem anderen Mitarbeiter zusammen einen Workshop zum Thema "Lean Innovation" in unserem Hause besucht hat. Es ging darum, - Achtung!! - mit Hilfe der Value Stream Analyse den Innovationsprozess, der von unserer Vorfeldabteilung zusammen mit den Business Units gelebt wird, zu analysieren und Bottlenecks herauszufinden. Ich finde, bereits dieses Unterfanger selbst ist so goddamn-scheiss-innovativ, dass wir schon dafür gleich ne 1 verdient hätten. Aber egal. Es läuft darauf hinaus, dass von jedem an "Innovationen" Beteiligten, sei es Chef oder Entwickler, Informationen benötigt werden, wann und wie durch zeitnahe Kommunikation die Performance des Innovationsprozesses möglichst gut gestaltet wird.
So weit so gut.
Jetzt muss man wissen, dass mein Chef und der Leiter derjenigen Entwicklungsabteilung, die diesen Zirkus veranstaltet hat, sich schon lange kennen und schon viel miteinander erlebt haben. Und weil das so ist und weil der Chef der Entwicklungsabteilung nicht den Ruf bekommen möchte, Fehler zu machen, spricht man sich ab und berichtet in diesem Workshop nicht, dass man schon eine geraume Zeit, dieselben Themen parallel bearbeitet hat. Das hätte nämlich auf ein Kommunikationsproblem schließen lassen können und das Ergebnis der Value Stream Analyse hätte möglicherweise als Ergebnis ein Verbesserungspotential zutage gefördert.
Nein, das wird nicht gesagt. Auch nicht von meinem Chef, der eigentlich die Leistung seines Mitarbeiters hätte vertreten sollen. Stattdessen spielt er das Spiel des Entwicklungsleiters mit und tut so, als ob sein Mitarbeiter erst zu einem für das Projekt günstigen Zeitpunkt eingestiegen ist und so der Innovationsprozess sehr gut gelebt wird. Im Gegenzug bekommt er vom Entwicklungsleiter ein glänzendes Zeugnis für die Performance seines Mitarbeiters, was natürlich auch für ihn gut aussieht.
Ich fasse zusammen: Mein Chef will von mir einerseits, dass ich unsere Abteilung bei der Vorstellung eines Projekts als die Makker schlechthin darstelle, um dann auf der anderen Seite selbst nicht den Arsch in der Hose zu haben, sich selbstbewußt zu präsentieren. Gut, das ist noch das kleiner Problem.
Das größere Problem für mich ist folgendes: Wenn ich höre, dass ab der Ebene der Gruppenleiter (mein Chef) bewußt nicht die Wahrheit gesagt wird - man könnte auch sagen, es wird gelogen - und wenn ich mir vorstelle, dass dies von anderen Chefs in der Firma auch getan wird, damit nicht zutage tritt, dass sie Fehler machen (was ja auch kein Grund ist, ihnen den Kopf abzureißen), was sagt mir das dann über die Kultur in der Firma? Was?
Wieso begreift man sich nicht als Team, das versucht, die Firma voran zu bringen, wenn man einen solchen Workshop abhält? Wieso werden solche Vorgänge auf die persönliche Ebene abgebildet ("Ich habe es nicht als meine Aufgabe gesehen, Herrn XYZ anzuschwärzen.")? Wieso wird zu einem solchen - eigentlich gut gemeinten - Anlass gelogen? Und wenn sich alle Chefs belügen, wie kann dann ein so riesiges Gebilde wie die Firma, in der ich arbeite überhaupt funktionieren?
Ist das nur eine Illusion?
Samstag, 15. Januar 2011
Let's Play
Ich habe nicht gewußt wie nahe ich mit meinen Gedanken an der Gedankenwelt meines Chefs bin. Über Weihnachten kam eine Mail, in der er nach dem "Ganzen" unserer Abteilung fragte, was nichts anderes ist, als die Frage nach einem übergeordneten Ziel. Da hätte meine Idee von Vollautomatisierung gut gepasst.
Ich habe mir auch schonmal Gedanken über den gesellschaftlichen Aspekt gemacht, welche Bedingungen wohl erfüllt sein müssten, damit sichergestellt ist, dass eine Regierung immer nur im Sinne ihres Volkes agiert. Allerdings hatten diese Ideen am Ende lücken und alles in allem war das Ergebnis nicht so befriedigend.
Zwei gesellschaftliche Aspekte: Der Grad des Fortschritts und das Handeln zum Wohl eines Volkes....
Jetzt möchte ich diese Gedanken weiter führen. Ich denke neu darüber nach und versuche einmal, das Ergebnis in einem Spiel zu platzieren und für andere Menschen erlebbar zu machen. Menschen spielen gern, weil sie da am Ende so schön belohnt werden ;-)
Also hier ist mein Spiel. Ich habe noch keinen Titel dafür, aber die Spielidee soll auf den folgenden Zeilen skizziert werden. Es handelt sich um so etwas wie eine Wirtschaftssimulation. .oO( Ich hätte nie gedacht, dass _ich_ so eine Idee haben könnte, da ich als passionierter Shooterzocker und RPG-Held Wirtschaftssimulationen gegenüber eher skeptisch eingestellt bin. )Oo.
Das Szenario:
Die Welt im 21. Jahrhundert. In 50 Jahren oder so. Oder nein: Die Welt in einer fiktiven Gegenwart. Menschen sind damit beschäftigt, ihr Leben zu verbessern und nicht damit, sich gegenseitig mit Krieg zu überziehen. Es herrscht im allgemeinen die Auffassung, dass es Menschen besser geht, wenn sie zufrieden sind. Leider ist dieser Zustand noch nicht überall erreicht. Da wo er bereits zu einem gewissen Grad vorherrscht, strebt man trotzdem weiterhin nach der Verbesserung der aktuellen Situation. In den Regionen, in denen er noch nicht erreicht wurde, wird aber nicht rebelliert, sondern die dort lebenden Völker sind zu der Einsicht gekommen, dass es besser ist, sich mit der Verbesserung der eigenen Situation zu beschäftigen, als in Kriegerischen Auseinandersetzungen Besitz zu erlangen.
Damit all dies funktionieren kann, herrscht absolute Solidarität in der Welt. Völker, die noch keinen Besitz haben, können sich von anderen etwas ausleihen, um mit den so gewonnenen Resourcen für sich selbst ein besseres Leben zu schaffen. Haben sie einen Grad der Zufriedenheit erreicht, der sie die Anleihen zurückzahlen lässt, dann tun sie dies auch bereitwillig. Sollten andere Völker nicht in der Lage sein, Anleihen - die im übrigen nur als Sachanleihen und nie als Geld existieren - zu geben, dann löst auch dies keine kriegerische Auseinandersetzung aus. Denn genauso, wie in der Welt absolute Solidarität herrscht, so herrscht auch absolutes Verständnis. Völker, die keine Anleihen bekommen konnten, fangen ganz am Anfang an - mit allen Folgen, die sich daraus ableiten. Es dauert lange. Es ist hart und möglicherweise kann man von dieser Basis aus nicht den Zufriedenheitsgrad erreichen, den man mit Hilfe der Anleihen anderer Völker hätte erreichen können.
Wenn ein Volk jedoch einen Zufriedenheitsgrad erreicht hat, der dafür sorgt, dass es soviel produzieren kann, dass es auch anderen Völkern helfen kann, ohne dabei selbst in die Situation zu geraten, Hilfe zu benötigen, dann wird es sich in der Welt umtun und Völkern, die z.B. keine Anleihen bekommen konnten, selbstverständlich helfen, um so auch den Zufriedenheitsgrad dieser Völker zu erhöhen.
Es gibt keine Religionen, denn in der Vergangenheit hat man erfahren, dass Religionen kriegerische Auseinandersetzungen nach sich ziehen. Dies will man nie wieder riskieren.
Jetzt kann man fragen: Ok, und was ist jetzt das Spiel? Kommt noch.
Um nun ein Volk in dieser fiktiven Gegenwart immer zufriedener zu machen, muss es sich weiter entwickeln. Dabei fängt jedes Volk bei einem anderen Entwicklungsgrad an. Es gibt am Anfang des Spiels eine zufällige Verteilung von mehr und weniger hoch entwickelten Völkern. Die höher entwickelten Völker haben dabei den Stand der heutigen Industriestaaten.
Die Weiterentwicklung der Völker - und zwar aller - ist nun die Aufgabe des Spielers. Hierfür setzt er die in jedem Volk lebenden Menschen ein. Diese haben alle individuelle Fähigkeiten. Entsprechend dieser Charakterwerte und des Entwicklungsstandes des Volkes sind unterschiedliche Voraussetzungen notwendig, um einen höheren Entwicklungsstand zu erreichen und die Menschen benötigen unterschiedliche Dinge, um ihre Fähigkeiten einzusetzen. In einem noch nicht so weit entwickelten Volk, z.B. benötigen die Menschen zunächst einmal eine Schule, um ein möglicherweise vorhandenes Talent zur Problemlösung zu trainieren und einsetzen zu können.
Nun sind wir bei den Menschen angekommen. Sie stehen im Mittelpunkt des Spiels. Es gibt 3 Klassen von Charakteren:
- Consumers (Menschen, die Dinge verbrauchen)
- Producers (Menschen, die Dinge herstellen)
- Guardians (Betreiber von Anlagen)
- Solvers (Menschen, die technische Probleme lösen).
Consumers:
Die Klasse "Consumer" stellt so etwas wie das "neutrale Element" dar. Jeder Mensch einer Gesellschaft bzw. eines Volkes hat diesen Charakter, da jeder Mensch Dinge braucht, um zu leben. Hierzu zählt zum einen alles, was zur Grundversorgung notwendig ist, wie z.B. Nahrungsmittel, ein Platz zum Wohnen, Zugang zu Wasser. Diese Grundvoraussetzungen stellen eine Gundzufriedenheit eines Menschen sicher, die dafür sorgt, dass er bereit und auch in der Lage ist, etwas für sein Volk zu leisten. Sobald für ihn auch Güter zur Verfügung stehen, die über die Grundversorgung hinausgehen, beginnt der Consumer seine Fähigkeiten für sein Volk einzusetzen. Er tut dies, weil es ihm gut geht und entwickelt das Bedürfnis, das, was er gut kann (sein Talent), auch anzuwenden. Solange für ihn nicht die Güter der Grundversorgung zur Verfügung stehen, ist er damit beschäftigt, diese herzusetellen. Kurz gesagt: ein Consumer verhält sich wie ein Ein-Mann-Volk.
Producers:
Wenn der Entwicklungsstand eines Volkes auf einem Niveau beginnt, auf dem noch keine Automatisierung von Herstellungsvorgängen zur Verfügung steht, dann sind menschen dieser Charakterklasse unabdingbar. Sie überwiegt dann in einem, um sicherzustellen, dass es in die Lage versetzt wird, die notwendigen Dinge zu produzieren. Man kann das auf Vorhandensein von Menschen dieser Charakterklasse als "notwendiges Übel" bezeichnen. Allerdings ist hier auch eine Vorstufe zum Solver zu sehen, da für die Herstellung von Gütern auch bereits Probleme gelöst werden müssen, wie z.B. "Wie kann ein Stein bearbeitet werden?" oder "Wie stelle ich eine Holzstrebe für ein Rad her?".
Solvers:
Solvers sind Nerds. Sie denken, tüfteln und entwickeln. Auch mit wissenschaftlichen Methoden. Sie haben einfach Spass daran, technische Probleme zu lösen. Sie finden sich mit Hilfe sozialer Netze zusammen, um dann als Gruppe Maschinen zu bauen, die ihr Volk braucht, die es aber noch nicht gibt. Es gibt jedoch auch eine spezielle Art von Solvers. Sie treten als erstes auf den Plan, da sie das Basiswissen erarbeiten, das dann später als Grundlage für andere Solver herangezogen werden kann. Sie produzieren Wissen. Bis auf andere Solver wird es von keinem anderen Menschen genutzt.
Im echten Leben wird Wissen durch einen langen und komplizierten Lernprozess aufgebaut. Im Spiel soll dies ein wenig abstrahiert werden. Zum einen wird der "normale" Lernprozess, den jeder Mensch durchläuft, mit seinem "Älter werden" abgedeckt. Sollte sich ein Mensch zu einem Solver entwickeln, dann hat er genug Eigenmotivation, sich das für ihn notwendige Wissen selbstständig aus dem Pool des vorhandenen - von anderen Solvern bereits erarbeitete - Wissen anzueignen. Unsere kleine fiktive Gesellschaft besteht also - als vereinfachende Annahme - aus lauter Autodidakten.
Solver spezialisieren sich. Das ist auch der Grund, weshalb sie nur als Gruppe effizient sind. Es werden für die Lösung komplexer technischer Probleme und zur Herstellung von Maschinen immer Solver unterschiedlicher Spezialisierungen gebraucht. Als Spezialisierung gelten z.B. wissenschaftliche Fachgebiete. Solange es noch keine Maschinen gibt, die in der Lage sind, die von einer Gruppe Solver erstellten Lösungen (Spezifikationen) zu produzieren, sind Producers notwendig, um dies zu erledigen. In der Entwicklung eines jeden Volkes wird jedoch ein Zeitpunkt kommen, zu dem dies nicht mehr notwendig sein wird.
Guardians:
Die letzte Charakterklasse wird von den sogenannten Guardians gestellt. Sie betreiben und bewahren die von Solvern (und Producern) erstellten Maschinen. Als Beispiele kann man sich hier z.B. Administratoren vorstellen, die die Aufgabe haben, Netzwerke zu betreiben, oder Anlagenbetreuer, die Industrieanlagen am laufen halten. Ihnen ist mit Solvers gemein, dass auch sie sich dazu berufen fühlen, diese Aufgabe wahrzunehmen. Und auch sie tun das erst dann, sobald ihre Grundversorgung sichergestellt ist.
Politik:
Ich habe es bereits erwähnt: Es herrschen absolute Solidarität und absolutes Verständnis. Menschen agieren als Gruppen (z.B. Völker). Sie sind dabei in der Lage einen Konsens herzustellen und anschließend gemeinsam zu handeln. Dies liegt daran, dass sie die Ziele der Gemeinschaft über ihre eigenen stellen können und gemeinsam daran arbeiten. Somit ist keine Regulierung notwendig, da es wirklich so etwas wie ein Kollektivbewußtsein gibt.
Spielinhalt:
Der Spieler hat primär die Aufgabe, die Entscheidungen für die Weiterentwicklung eines Volkes zu treffen. Er bestimmt, was gebaut werden soll und steuert den Entwicklungsprozess. Eine wichtige Aufgabe ist dabei, dafür zu sorgen, dass alles vorhanden ist, was es braucht, um neue Maschinen und Technologien zu entwickeln.
Für die Acquise der notwendigen Dinge gibt es mehrere Möglichkeiten
- das Volk stellt sie selbst her
- das Volk benötigt Rohstoffe
- das Volk macht Anleihen bei anderen Völkern.
Spielziel:
Das Ziel des Spieles ist das eigene Volk "glückselig" zu machen. Damit ist gemeint, dass die Zufriedenheit des Volkes maximal wird. Neben der bereits erwähnten Grundzufriedenheit, die durch die Sicherstellung einer Grundversorgung bestimmt wird, gibt es aber auch noch andere Einflussfaktoren, die sich auf die Zufriedenheit eines Volkes auswirken. Hierzu zählen z.B.
- die Qualität der Güter
- Das Vorhandensein von Luxusgütern
- das Lösen besonders schwieriger Probleme (hier im allgemeinen)
- die Balance der Entwicklung des Volkes und der Verträglichkeit mit der Umwelt.
- das Vorhandensein von Freizeit für die Menschen
- die Möglichkeit, sich bei der Entwicklung einbringen zu können
- ....
"Perfect World".
Freitag, 31. Dezember 2010
Jahresendmeditation
Die letzte Woche des Jahres hat noch einmal ein echtes Highlight für mich parat gehabt. Mein neues Fahrrad ist doch noch gekommen. Ich bin "verliebt". Es sieht so genial aus, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Hier sind ein paar Bilder zu sehen. Ich freue mich schon wie ein Schneekönig darauf, es das erste Mal bei einigermaßen trockenen Wegen auszuprobieren. Bis dahin muß es im Keller warten.
Am letzten Tag unseres diesjährigen Jahresurlaubs war ich auch schon einmal bei der Erkenntnis angelangt, dass man die digitale Welt nicht braucht, um zufrieden zu sein. Und auch zu Jahresbeginn hatte ich schon einmal das Gefühl, dass ich dieses Jahr nutzen sollte, ein paar neue Erfahrungen zu machen. Damals hatte ich einen Schnuppertauchkurs gemacht und mir vorgenommen, einen Tauchschein zu machen. Nun, daraus ist nichts geworden. Aber die Nicht-Computer-Erfahrung habe ich dennoch in die Tat umgesetzt.
Seit Mitte September treibe ich mit schöner Regelmäßigkeit Sport. Joggen im Dunkeln. Vielleicht sollte ich mir eine neue Domain reservieren und dort ein bisschen über meine nicht-Computer-Erlebnisse schreiben. Mal schaun.
Die Vorbereitung für meine erste Fahrrad-Saison läuft gut. So fit wie derzeit habe ich mich noch nie gefühlt. Ein weiterer Schritt zum Vollständigwerden. Es ist wirklich interessant, den Prozess des "Lernens aus Erfahrungen" an sich selbst zu beobachten und ihn aktiv zu beeinflussen. So gehts immer in die richtige Richtung. Ich kann nur jedem empfehlen, das auch so zu tun.
In diesem Sinne wünsche ich allen, die die Zeit gefunden haben, meine Texte zu lesen - und natürlich auch allen anderen - einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und viel Spass beim umsetzen der eigenen Ziele.
Mittwoch, 22. Dezember 2010
Eigentlich könnten wir leben
Wir saßen im Mietwagen und haben uns - natürlich - über das Projekt unterhalten. Er arbeitet auch in einer Forschungsabteilung, allerdings konzernübergreifend. Und bei ihm spielt der wissenschaftliche Anspruch eine viel größere Rolle, als bei uns in der Abteilung. Wir sollen Dinge innovieren, die man auch in unseren Produkten praktisch umsetzen kann.
Wir haben uns über eine - aus unserer Sicht tolle - neue Möglichkeit der automatischen Stromversorgung unterhalten und wie die Lösung, die in unserem gemeinsamen Projekt erarbeitet wird, dafür eingesetzt werden könnte. als ich dann letztens im Zug nach hause saß, da habe ich unsere Gedanken von der gemeinsamen Autofahrt weiter gesponnen. Und dabei hatte ich nicht weniger als zwei Erkenntnissen, die mich mit Technologie-Themn versöhnen.
Ich habe mich ja in einigen meiner Postings besonders dem Thema "Intelligenz von Maschinen" gegenüber ziemlich kritisch geäußert. Der Grund hierfür ist, dass ich meist davon ausgegangen bin, dass dieses Intelligent-Machen von Maschinen den Zweck verfolgt, besser mit dem Mensch zu kommunizieren und "in Verbindung mit ihm zu treten". Weiterhin bin ich auch stets davon ausgegangen, dass neue Technologien entwickelt werden, um die Art und Weise der zwischenmenschlichen Kommunikation zu "verbessern". Man könnte meinen, dass der Wunsch existiert, dass Technologie den Mensch ansich verbessert. Aber ich glaube da nicht dran.
Eine meiner Erkenntnisse war, dass Technologie dem Mensch hilft, indem sie ihm Dinge abnimmt. Automation bewirkt, dass nicht mehr der Mensch arbeiten muss, sondern dass Maschinen dies tun. Und auch hierfür müssen sie intelligent sein. Aber nicht, um mit dem Mensch zurecht zu kommen, sondern um selbst - ohne den Mensch - zurecht zu kommen.
Jetzt kann man anführen, dass dort, wo Maschinen allein arbeiten - ohne den Mensch - der Mensch nicht mehr gebraucht wird. Dafür hat er Zeit, anderes zu tun - vielleicht schöneres. Interpretiert man Technologie nicht als Mittel einess Konzerns, effektiver zu werden, sondern als Erweiterung der menschlichen Möglichkeiten, dann verliert sie ihren negativen Anstrich. Der Roboter im klassischen Sinne...
Stellen wir uns z.B. vor, dass die Automatisierung soweit fortgeschritten ist, dass nicht mehr Menschen Nahrungsmittel produzieren, sondern nur noch Maschinen. Weltweit. Klar, Menschen müssen ihnen vorgeben, was zu produzieren ist, aber stellen wir uns vor, dass die Automatisierung soweit vorangeschritten ist, dass dies die einzige Arbeit ist, die der Mensch bei der Nahrungsmittelproduktion zu tun hat. Und die eigentliche Arbeit wird von Meschinen gemacht. Intelligent, selbständig und autonom.
Dann muss der Mensch keine Zeit mehr dafür aufwenden. Was wäre die Folge? Damit würde die Notwendigkeit entfallen, den Mensch für seine Zeit zu entschädigen. Die Notwendigkeit, Geld zu bezahlen wärde nicht mehr existieren. Gleichzeitig müsste man kein Geld mehr bezahlen, um sich Nahrungsmittel zu kaufen, denn wenn kein Mensch Interesse hat, Geld für eine Leistung zu bekommen, dann muss ein anderer Mensch auch kein Geld für die Leistung bezahlen.
Erweitern wir den Gedanken. Wenn Häuser von Maschinen gebaut würden, Wenn Autos nur noch von Maschinen gebaut würden, wenn alles, was heute vom Mensch produziert wird (oder auch nur unter seiner Aufsicht) nur noch von Maschinen produziert würde - unter ihrer Aufsicht, weil sie intelligent genug dazu sind. Dann braucht man für Güter kein Geld mehr zu zahlen. Verkehr: Stellten wir uns vor, dass unser Verkehrssystem vollständig automatisiert abläuft, sich selbst regelt, pflegt und regeneriert. Dann muss kein Mensch mehr Geld bezahlen, wenn er sie in Anspruch nimmt. Die Rohstofft, die für all das Notwendig sind, werden von Maschinen zu Tage gefördert und an den Ort der Verwendung transportiert - automatisch.
Ich rede vom Gegenteil von Vollbeschäftigung - ich rede von Vollautomatisierung.
Sicherlich gibt es Dinge, die immer noch vom Mensch erledigt werden müssen, z.B. Arbeiten am Mensch selbt: Altersbetreuung oder die Versorgung kranker Menschen, Forschung, Wissenschaft, all das, was den Mensch ansich erfordert. Allerdings würden wir für diese Aufgaben _wirkliche_ Menschen benötigen, die keinen Vorteil für sich suchen, sondern ihnen aus Überzeugung und Spass nachgehen. Oder einfach nur, um ihre neue zur Verfügung stehende Zeit zu nutzen. Sollten wir eine solche Situation meistern, dann könnte man mit Fug und Recht behaupten, dass Technologie
den Menschen verbessert hat.
Montag, 20. Dezember 2010
Misstrauen
Grad - also eigentlich nun mittlerweile vor einer dreiviertel Stunde wollte ich mit dem Zug nach hause fahren. Dann wäre ich wohl so gegen 20:00 Uhr zu hause gewesen. Jedoch schaffe ich das nun nicht mehr, da ich auch laut der eben erfolgten Ansage erst 10 vor 8 in München sein werde. Dann sehe ich meine Kleine heute leider doch nicht mehr.
Aber wie komme ich in diesen Zug? Das hat mit besagtem Misstrauen zu tun. Zunächst kommt der Zug, den ich eigentlich nehmen wollte 20 Minuten zu spät. Da sitze ich drin - glücklich, einen Platz ergattert zu haben. Das war schon schwer genug. Dann dauerts noch ne Weile und der Schaffner sagt durch, dass im Bordbistro eine "herrenlose" Tasche rumsteht. Die hat wohl jemand vergessen, der gerade aus dem Zug ausgestiegen ist.
Ich sag im Scherz - so dass es die andere Fahrgäste hören - "Lieber rausschmeissen". Sie lachen. Ich mache meinen Rechner an und warte, dass er hochfährt. Der Schaffner meldet sich erneut. "Liebe Fahrgäste, da wir auf die Bundespolizei warten müssen, führt als nächster Zug nach München der ICE 881 von Gleis 12. Bitte nutzen sie diesen Zug!".
Ich merke, dass es kein Spass ist, springe auf, packe meinen laufenden Laptop in die Tasche, ziehe meine Jacke an und sehe zu, dass ich zu Gleis 12 komme. Da kommt tatsächlich grad ICE 881 angefahren und ich kann einsteigen.
Und da sitze ich nun - im ICE 881. Mein "Zug des Vertrauens". Keine herrenlose Tasche, der man nicht vertrauen kann, weil keiner weiss, was drin ist. Es ist ein Wahnsinn. Früher hätte man wahrscheinlich einfach den Koffer auf den Bahnsteig gestellt und eine Ansage auf dem Bahnhof gemacht, dass man ihn in der "Bahnhofsfundgrube" abholen kann.
Es ist traurig. Heute geht das nicht mehr in den Zeiten des globalen Terrors - wo wir alle tolerant sind und trotzdem lieber für uns bleiben, weil wir nicht wissen, wer von draussen reinkommt. Da muss ein ganzer Zug geräumt werden, wegen eines Koffers, der da rumsteht.
Vielleicht handelt es sich dabei um ein zwischenmenschliches Problem, das sich optimal mit Technologie lösen ließe. Einfach ein mobiles Röntgengerät erfinden, mit dem man schnell und bequem herausfinden kann, was in einem Koffer drin ist. Dann könnte man zumindest das globale Misstrauen entschärfen und die anderen Menschen, die nichts damit zu tun haben einfach leben (oder in dem Fall mit dem Zug fahren) lassen. Damit schließt sich der Kreis.
Mittwoch, 24. November 2010
Irrtum
Im Laufe des Interviews kam er irgendwann zu der Aussage, dass wir uns doch immer wieder neue technische Spielereien kauften, um mehr Zeit zu haben und um Dinge schneller erledigen zu können - IPhone, IPad und Konsorten. Ich halte das für einen Irrtum.
Wir kaufen uns die ganzen technischen Spielereien nicht, damit wir mehr Zeit haben, sondern damit wir mehr Zeit mit ihnen verbringen. Eigentlich haben wir also weniger Zeit dadurch. Weniger Zeit mit der Familie, weniger Zeit für die eigentlich wichtigen Dinge.
Und das schlimmste ist, dass, wenn man sie wirklich braucht, uns unssere Gadgets nicht wirklich Nutzen stiften. Klar, man kann Kinoprogramme, Fahrpläne und -karten, Reiserouten usw. bequem kaufen, buchen, oder mieten. Aber das muss man nicht immer unterwegs tun.
Heute morgen saß ich in der S-Bahn. Plötzlich hieß es "Betriebsstörung, weitere Informationen folgen". Das Ergebnis ist, dass ich jetzt in dem "Eins-später-ICE" sitze und heute wohl mit einer Verspätung von einer halben Stunde auf Arbeit ankomme. Da hilft mir kein Gadget - das ist eben so.
Ich verfolge die IT-Presse immer mal wieder. Da lese ich, dass John Carmack, der Lead-Programmer bei dem Spielestudio schlechthin - id Software - erklärt, wie er gedenkt, die "Mobile Industry" dazu zu bewegen, bessere Unterstützung für Games bereit zu stellen, so dass man hier und überall spielen kann. Super. Das hat die Welt gebraucht.
Es sieht heute schon so aus, als ob die junge Generation an ein elektronisches Gemeinschaftsbewußtsein angeschlossen ist, wenn sie sich unterwegs am laufenden Band die Ohren mit Musik zuballert. Wenn man dann immer und überall zocken kann, wird es wohl bald Prügeleien geben. Emotionen kann man schließlich nicht so einfach abschalten.
Montag, 22. November 2010
Verinnerlicht
Damit bezog er sich darauf, dass die eigentlichen Sachwerte nicht mehr als ein paar Büroräume und ein paar Rechner wären, die auch nicht mal wirklich Facebook gehören.
Diese Meinung hat mich nicht mehr losgelassen. Meine Antwort darauf war, dass es nicht darauf ankommt, ob ein "Ding" materiell, also eine Sache, ist oder nicht, sondern dass sich der "Wert" aus der Phantasie der Menschen ableitet, was man alles damit machen kann. Es ist schon interessant, dass ein sehr große Gruppe von Menschen, die alle individuell für sich denken, fühlen und handeln, gleichsam die Idee haben, dass ein Ding viel Potential birgt, das es zu heben gilt.
Aber was ist eigentlich das Konzept "Wert". Es handelt sich dabei ja um ein abstraktes Konzept. Man kann ihn zwar beziffern, wenn man ihn im Kontext eines wirtschaftlichen Sachverhalts betrachtet. Andererseits kann kann man ihn auch fühlen, wenn man z.B. von anderen Menschen "Wertschätzung" erfährt, indem sie einem anerkennend auf die Schulter klopfen.
Das führt zu der Frage, was erlebbare Wertschätzung und der "abstrakte" Wert miteinander gemeinsam haben. Vielleicht ist "Wert" ein Maß für die Intensivität eines Erlebnisses, oder einer Erfahrung. Aber Facebook verkauft keine Erfahrung. Facebook "verkauft" eine Software, mit der man Teilnehmer eines "Netzwerks" sein kann und in Kontakt (nicht im wörtlichen Sinne) mit anderen Leuten bleiben kann. Welches Gefühl könnte da eine Rolle spielen?
Wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir ein Glücksgefühl ein, dass man bei der Beschäftigung mit Software erfahren kann. Ich stelle mir einen Mensch vor, der sich vorstellt, was er alles mit Facebook machen kann und der sich schlicht und ergreifend darüber freut, was es ermöglicht. Und wenn sich dieses Glücksgefühl stark anfühlt, dann ist der Wert hoch. Ich kann mir auch vorstellen, dass es Menschen gibt, die herausfinden können, ob sich andere Menschen über Facebook freuen würden (z.B. indem sie von sich auf andere schließen). Und diese Menschen, die das herausfinden können, "treiben" den Wert, indem sie Nutzung von Facebook für viel Geld den Menschen ermöglichen, die sich darüber freuen, es zu benutzen.
Um so ein Glücksgefühl zu erzeugen, muss Facebook wohl einen Zweck erfüllen, den viele Menschen für sich für sehr wertvoll halten - Teil eines Netzwerks sein, Teil eines größeren Ganzen. Vielleicht kommt dabei auch ein gewisses Heimatgefühl zum Ausdruck. Wer weiss das schon.
Wenn Wert ein Maß für die Intensivität eines Erlebnisses oder einer Erfahrung ist, dann kenn ich auch verstehen, wieso mein Kollege "Sachen" für wertvoller hält, als Software. "Sachen", also Dingen, die man erleben kann, die eine räumliche Ausdehnung haben und einen oder mehrere unserer Sinne "bedienen", kann man wahrnehmen, und das in verschiedenen Intensivitätsgraden.
Man kann ein Haus z.B. sehen. So bekommt einen räumlichen Eindruck, allerding ist das eine berührungslose Wahrnehmung. Mann kann auch zu einem Haus hingehen und kann es berühren. Dann nimmt man es viel intensiver wahr. Es hinterlässt dann praktisch bei uns einen Eindruck. Man merkt dann, dass es hart ist, dass man sich daran stoßen kann und dass man schmutzig wird, wenn man lange dran rumgrapscht.
Zugegeben, dass man sich an einem Haus stoßen kann, lässt seinen Wert nicht steigen, aber wenn man in einem Haus drin ist, dann kann man sich z.B. vorstellen, wie es wäre, darin zu leben. Und _das_ lässt den Wert des Hauses steigen oder sinken.
Mir fällt aber auch noch eine andere "Definition" für Wert ein. Es könnte sich dabei auch um ein Maß für den Verlust handeln, den man erleidet, wenn man eine Sache, ein Ding, einbüßt oder wenn man einen Menschen verliert. Wenn ich mir z.B. vorstelle, dass ich meine Tochter nicht mehr jeden Tag abends ins Bett bringen kann, dann blutet mir das Herz....
Freitag, 15. Oktober 2010
Every day life
Am Bahnhof dann ein kurzer Sprint - naja, im Rahmen meiner Möglichkeiten, denn die Beine schmerzen noch vom gestrigen Laufen - zum Zug. Ich schaffe es. Komme in "meinen" Wagon und bekomme auch "meinen" Platz, weil ich einem anderen Typen praktisch direkt vor die Nase springe. Egal, ich sitze. Der Typ setzt sich vor mich.
Kurz darauf kommt noch ein Typ, setzt sich neben ihn. Sie kennen sich und beginnen miteinander zu sprechen. Gebrochenes Deutsch. Osteuropa. Sie reden immer noch (wir sind jetzt bereits in Ingolstadt. Ich mag diese monotone falsche Aussprache nicht. Für den Typ, dem ich vor die Nase gesprungen bin, sind die Menschen Idioten (Wieso auch immer...). Er beschwert sich, dass er schlecht behandelt wird. Immer dasselbe.
Dann kommt die Schaffnerin und will die Tickets sehen. Er zeigt irgendwas und verlangt dann für morgen ein Ticket München-Suhl. "Suhl" war nicht einfach zu verstehen - erst nachdem er es buchstabiert hat. Die Schaffnerin weist ihn darauf hin, dass so ein Ticket im Zug teurer ist, als am Bahnhof. "Jaja, egal". Ok, sie gibt es ihm. Er will eine Verbindung und wundert sich, dass sie sie nicht ausdrucken kann. Sie hat so ein kleines Ticketprüfgerät. Oh Wunder. Soviel zum Thema: die Menschen sind Idioten.
Wenn ich heute in Nürnberg ankomme, werde ich mich nicht wieder in die überfüllte U-Bahn stellen - so wie gestern. Eingeqzetscht zwischen Schultaschen und Kindern. Kinder sind zwar etwas tolles, aber nicht, wenn sie mir auf den Füßen rumlaufen ;-). Heute werde ich einfach ein Bahn abwarten und dann erst fahren. Dann komme ich wahrscheinlich 10 Minuten später in der Firma an, aber dafür gemütlich - ohne schubsen.
Im Prinzip wird der Tag heute recht relaxt. Am Vormittag haben wir Infoforum - 3 Stunden. Und am Nachmittag bin ich mit einem Paper beschäftigt, dass ich zusammen mit einem netten Mensch von IBM für unser Projekt schreibe. Eine feine Aufgabe.
Heute abend werde ich mal nicht draußen rumhopsen oder radeln. Das mache ich seit mehreren Wochen und es tzt mir extrem gut, aber man muss auch mal Pause machen. Ich bin nämlich seit meinem Erlebnis in den Bergen auf die Idee gekommen, dass Sport eine tolle Sache sein könnte, um in Form zu kommen. Das zahlt sich schon nach recht kurzer Zeit aus. Ich bekomme soviel Luft wie selten zuvor in meinem Leben. Gestern bin ich gelaufen und gelaufen - eine Stunde lang.Nicht schnell, aber konstant. So langsam ist nicht mehr die Atmung das Problem, sondern die körperliche Konstitution. Aber damit kann ich gut leben, denn für letztere ist dieses kleine
Training natürlich aicht schlecht.
Im November kommt mein neues Fahrrad. Ein Mountainbike. Und wenn ich nächstes Jahr wieder in die Alpen fahren sollte, dann wird das ein Fest. Ich freue mich schon. Ich bin so lange nicht mehr intensiv Rad gefahren. Und habe gar nicht gemerkt, wie ich das vermisst habe. Durch diese kleine Änderung meiner Lebensweise ist die Beschäftigung mit irgendwelchen abgefahrenen Software-Dingen recht stark zurückgegangen, sodass ich nun wieder mehr in der echten Welt lebe. Bin gespannt wie sich das auswirkte. Vielleicht schaffe ich es ja, meiner kleinen Tochter so vermitteln zu können, dass das auch wichtig ist.
Das wäre klasse.
Montag, 11. Oktober 2010
Software Philosophie und Biologie
und Ähnlichkeiten ergeben.
So auch zwischen Software und Philosophie.
Das äußert sich z.B. auf so profane Art und Weise, wie der Tatsache, dass jemandem, der versucht, Software so gut wie möglich zu schreiben, unterstellt wird, dass seine Ansätze philosophisch sind. Es zeigt sich aber auch darin, dass genau wie die Philosophie Software sich auf absrakte Konzepten und Sachverhalten gründet. Insofern haben die die Diskussionsgegenstände der Beschreibungsmittel von Software und die Philosophie das gleiche Problem, dass sie in beiden Fällen nicht oder nur sehr schwer verständlich sind, da sie nichts mit der Erfahrungswelt des Menschen
zu tun haben.
Ein Philosoph würde jetzt wahrscheinlich vehement widersprechen. Schließlich befasst er sich z.B. mit so grundlegenden Dingen, wie dem "Sein" oder der "Zeit". Um meinen Gedanken zu verdeutlichen frage ich: "Wie fühlt sich das Sein an?" oder "Wie sieht die Zeit aus?" Die Konzepte entziehen sich einfach den menschlichen Sinnen. Nagut, es gibt ein Zeitgefühl, eine "innere Uhr" - vielleicht ist nicht alles, womit die Philosophie sich befasst, abstrakt. Aber die Begriffswelt der Philosophie ist abstrakt und zumeist nicht "begreifbar". Genauso ist es auch mit Software. Keiner weiss, wie eine UML-Klasse aussieht oder ob ein sogennanter Dependency Injection Container ein Geräusch von sich gibt, wenn er eine Abhängigkeit (von der keiner weiß, wie sie aussieht) einfügt. Durch die Nicht-Erfahrbarkeit werden sowohl Software als auch Philosophie zu abstrakten Domänen, auf die nicht die Regeln der erfahrbaren Welt angewendet werden können.
Nun ist dies jedoch nicht die einzige Beziehung von Software zu anderen Wissensgebieten. Letztens hatten wir in der Firma beim Kaffee eine Diskussion, bei der es um die Inhalte von Software ging. Und unsere gemeinsame Meinung war, dass Software im Prinzip zum überwiegenden Teil aus Kommunikation, Umwandlung, Darstelluing und anderen allgemeinen Infrastrukturfunktionen besteht und nur zu einem sehr kleinen Teil aus der eigentlichen Erfüllung einer Aufgabe - also aus der Domainlogik.
Das ist nichts neues. Aber heute hatte ich nach der Diskussion ein Bild vor meinem inneren Auge, das dem Modell glich, das hinlänglich zur Darstellung von Gehirnen genutzt wird. Also Knoten, die durch viele wirre, scheinbar systemlos angeordnete Stränge verbunden sind. Die Stränge representieren die Infrastruktur und die Knoten stellen die einzelnen durch die Infrastruktur verbundenen Domainlogiken dar. Das hat was Biologisches. Und genau wie bei einem Gehirn bekommen die Logiken (Knoten) über die Stränge Signale (Daten) zugesandt, bearbeiten sie oder werten sie nur aus und senden dann auf anderen Strängen Signale (Daten) an andere Logiken.
Auch das ist sicherlich nichts bahnbrechendes Neues. Es ist aber schon interessant, dass man zur Verdeutlichung einer abstrakten logischen Struktur Konzepte aus der Biologie (Erklärung der Natur) heranziehen kann, um sie verständlicher zu machen.
Das führt zu einer für mich spannanden Frage: Wäre es nicht interessant, die Softwarewelt eher auf ein "natürliches" als auf ein abstraktes philosophoisches Fundament zu stellen? Das hätte mehrere Vorteile:
- Damit gliche sich z.B. die Softwareentwicklung den anderen Ingenieurswissenschaften an, die ihren Fortschritt auch zum Teil aus der Nachahmung der Natur ziehen.
- Software würde verständlicher.
Letzteres ist sicherlich eine gewagte These. Zunächst müsste man bei der Interpretation der Vokabulars aus der Domäne der Software Metaphern aus der Biologie finden. Möglicherweise würde dies dazu führen, dass sich die Begrifflichkeiten der beiden Wissensgebiete sich annähern. Die Hierarchie von Konzepten, die für eine Diskussion von Software notwendig ist, könnte auf die Hierarchie biologischer Konzepte abgebildet werden. Zum Teil passiert dies ja schon, wenn man z.B. von einem Computer-"Virus" spricht. Das Finden von Biologie-Metaphern für Software könnte dazu führen, den Charakter von Software besser zu erklären.
Ich kann den Bogen auch wieder zurück zur Philosophie schlagen. Diese Woche hatten wir in der Firma eine Vortrag über Wittgenstein. Eine Kernaussage des Vortrags war, dass für Wittgenstein die Beziehungen zwischen den Dingen (er nannte sie Tatsachen) viel wichtiger waren, um die Welt zu erklären, als die Dinge selbst. Meiner Meinung nach gibt es in der akademischen Welt einen Trend, sich mehr auf die Beziehungen zwischen den Untersuchungsgegenständen zu konzentrieren. Das Ganze ist mehr als die Summe aller Teile. Auch in der Software-Welt wird dies wahrgenommen, z.B. der bereits genannte Dependency Injection Container ist ein Konstrukt, um Beziehungen (Dependencies) zu formalisieren. und auch in der Biologie (wie auch in der (Quanten-)Physik und der (Quanten-)Chemie findet eine Hinwendung dazu, wie die Dinge in Beziehung stehen, statt.
Es ist nicht die "Essenz" der Dinge, die zählt, es ist die Interaktion zwischen ihnen.
Mittwoch, 21. Juli 2010
Zug in die Zukunft
Ich sitze also im Zug und will eigentlich an meinem Projekt arbeiten, jetzt, da die Aussicht besteht, dass ich noch zwei Mitstreiter finde. Da fällt mir der Ansage-Stil des heutigen Zugchefs auf. Er ist sehr freundlich - versucht nicht, auf Teufel-komm-raus originell zu sein - und beherrscht ein gutes Englisch. Das ist selten. Was aber interessant ist, ist, dass er Fahrgäste auffordert, auf seine Ansagen zu hören. Der Mann hat etwas von einem Projektleiter. Das ist ein starker Gegensatz zu den Bahn-Mitarbeitern, die zum Teil rüberkommen, wie verschämte Bittsteller und sich in jedem 2. Satz entschuldigen.
Ich mache mir in letzter Zeit schon das eine oder andere Mal Gedanken über die Bahn - ist bestimmt in einem der letzten Postings schon aufgefallen. Die Parallelen zwischen Bahn-Logistik (Züge müssen zu definierten Zeiten an definierten Orten sein) und Produktionslogistik sind erstaunlich. Sicherlich sind die Randbedingungen anders, aber "vom Prinzip" her ist es das Gleiche.
Das führt mich zu ein paar Gedanken darüber, wie die Eisenbahn der Zukunft aussehen könnte. Nach meinem letzten krassen Verspätungserlebnis, von dem ich berichtet habe, habe ich mir überlegt, dass die Bahn der Zukunft nicht aus einem langen Zug für viele Personen bestehen sollte, sondern dass die Transporteinheiten kleiner sein müssten. (Gibt es eigentlich eine Vorfeldabteilung bei Siemens Mobility?) Ich stelle mir vor, dass ein Zukunftszug so groß ist wie ein Großraumtaxi - ein Schienentaxi.
Diese Schienenraumtaxis fahren in kürzeren Abständen. Durch die kleinere Transportmenge kann eine besser dimensionierte, bedarfsgerechte Menge von Transportraum zur Verfügung gestellt werden. Ich stelle mir auf den Gleisen so etwas wie einen "getakteten" Verkehr vor. Das ist sicherlich heute schon so, aber man nimmt es nicht so wahr, wenn man nicht gerade in einem Stellwerk oder in irgendeiner Steuerzentrale der Deutschen Bahn sitzt.
Da ein Schienentaxi kleiner ist, ist es auch anfälliger für physische Störungen. Das heisst, dass z.B. ein Lebewesen, das versehentlich oder mit Absicht auf die Gleise geraten ist, einen deutlich stärkeren Schaden anrichten kann. Ein Schienentaxi muss also so ausgelegt sein, dass es soviel wie Möglich Energie von sich wegleitet. Mir schwebt da ein recht flaches Gefährt vor, das zumindest Keilförmig - mit der spitzen Seite nach vorn - ist. Möglicherweise ist es auch sinnvoll, es an der Hinterseite abzuflachen, um Luftverwirbelungen zu vermeiden.
Um die Möglichkeit der "Störung" durch Lebewesen auf den Gleisen so gering wie möglich zu halten, sind die Schienenwege durch Gitterkäfige abgesichert. Der Gitterkäfig steht unter Strom. Um zu verhindern, dass ein Lebewesen sich unentdeckt an den Käfig annähert, werden Bewegungssensoren und Kameras angebracht, um die Käfige zu überwachen. Die Bewegungssensoren geben Alarm, wenn sie etwas entdeckenund mit den Kameras wird ein Bild aufgenommen, das durch eine Bildanalysesoftware analysiert wird, um herauszufinden, Wer oder was sich dort bewegt hat.
Montag, 19. Juli 2010
"There is no spoon"
Es geht bei uns auch manchmal noch um andere Prozesse - z.B. wenn wir über Projektmanagement reden. Aber das sind immer Diskussionen, die keiner wirklich führen will, weil die Prozesse, die bei uns die Menschen ausführen sollen, ein unbeliebtes Thema sind.
Wie dem auch sei. Produktionsprozesse. Ich sag ja mal eins - und das hab ich auch schon heute in der Diskussion gesagt: Es gibt gar keinen Prozess. Jawoll! Jetzt kann man natürlich sagen: Das ist ja ein einfacher Standpunkt, auf den Du Dich da zurückgezogen hast. Aber: Hat schonmal jemand einen "Prozess" gesehen? Und es ist leider kein einfacher Standpunkt. Denn wenn ich das im vollsten Brustton meiner Überzeugung sage, dann muss ich natürlich auch anbieten, was statt dem, was zur Zeit gemeinhin als Prozess gesehen wird - und was ich verleugne -, existiert.
Nehmen wir z.B. eine Produktion, in der zwischen zwei Teilanlagen ein Teil transportiert wird. Im ersten Teil der Anlage werden kleine Chips in eine kleine Plastikflasche gefüllt. Die wird dann zum "Verdeckeln" gefahren, wo - genau - ein Deckel draufgedreht wird. Ich stell es mir vor. Oder besser noch: Ich schau hin. Ich sehe eine Abfolge von Arbeitsschritten (nennen wir sie Aktionen), die zeitlich nacheinander (das ist wichtig) passieren. OK OK, es klingt spitzfindig, wenn ich das nicht als "Prozess" betrachten will. Aber es ist eben nur eine Ausprägung dieses Begriffs.
Anderes Beispiel: Geschäftsprozess. Meine Güte, das ist das Unding schlechthin. Hat irgend jemand eine Idee, was ein Geschäftsprozess ist? Es kommt drauf an. Wenn man einen Nicht-Computer-Mensch fragt, was das ist, dann wird er wohl sowas sagen, wie "koordinierte Abfolge von Tätigkeiten in einem Unternehmen, bla". Keine Ahnung wie das genau definiert wird. Nur eins ist sicher: Es sind Menschen beteiligt, die - angeleitet durch ein definiertes Regelwerk - in einem Unternehmen zusammen ein Ziel verfolgen, z.B. ein Bauteil bestellen. Ich habe bewusst "angeleitet" gesagt, denn die Befolgung dieses "Prozesses" hängt in letzter Instanz _einzig und allein vom freien Willen der beteiligten Menschen ab_, sich an das Regelwerk halten zu wollen.
Fragt man hingegen einen Computer-Mensch, was ein Geschäftsprozess ist, dann kommt da was ganz anderes raus. Ich schätze mal, dann kommt eher sowas wie "Der wird mit BPMN oder ARIS modelliert" raus. Na und? Was soll das? Kann man das essen? Nein! Dann haben wir es plötzlich mit einem IT-Konstrukt zu tun, das in irgendeiner Form als Eingabe für ein IT System genutzt wird, das ihn dann "interpretiert" und vielleicht auch noch "ausführt", um dann in irgendeiner undurchsichtigen Art und Weise, nach Regeln die nur der Programmierer kennt (verzeiht meinen etwas bissigen Ton, aber ich bin selbst Entwickler), Daten zu generieren, die dann in einer Datenbank abgelegt werden. Toll. Wie bereits gesagt: Na und?
Was also bleibt sind die Daten oder die Flasche mit Chips.
Meine Kollegen hatten dann heute noch eine geniale Idee. Sie haben gesagt: Ein Prozess ist eine Beschreibung einer Abfolge von Aktivitäten. Oder zumindest hab ich gefragt, ob ich ihre Ausführungen so verstehen kann, und sie haben das bestätigt. Das ist möglicherweise auch ein gemeinsamer Nenner, auf den man sich einigen kann. Aber nur bei uns. Wikipedia sagt etwas anderes. Für uns ist jedoch wichtig, einen Prozess zu beschreiben. Damit wird der Prozess zu einem Beschreibungsmittel und die Verwendung dieses Wortes, wie sie gemeinhin passiert, ist meiner Meinung nach nicht richtig. Dadurch wird der Prozess nämlich zu einem eigenen Ding.
Und das gibt es nicht, weil es sich dabei um eine Metapher handelt.
Samstag, 10. Juli 2010
Die richtige Abstraktion
Ausser an Tagen wie heute.
Heute wollte ich zeitig zuhause sein. Deswegen bin ich mal sehr früh gegangen. Schon vor 13:00 Uhr. Ich hab im Internet geschaut, wann der nächste Zug geht, gesehen, dass die potentiellen Kandidaten ne derbe Verspätung haben und bin gleich losgewetzt. Wollte meine Tochter aus dem Kindergarten abholen, weil ich sie dreimal diese Woche am Abend nicht gesehen habe. Und was hats gebracht? Nichts. Ich sitze grad in einem ICE, der eine Stunde nach dem abgefahren ist, den ich eigentlich nehmen wollte und zusätzlich noch eine halbe Stunde Verspätung hat. Um dem ganzen einen letzten Schliff zu geben, wird er auch noch umgeleitet, was zu einer 30 Minuten längeren Fahrt führen wird. Dadurch komme ich gegen 16:30 Uhr in München an, was ziemlich genau eine Stunde nach dem Abholtermin meiner Tochter ist. Mit anderen Worten: Ich komme 50 Minuten zu spät.
Ich muss der Fairness halber sagen, dass die Bahn es heute nicht einfach hatte. Böschungsbrände, Personenschäden und Weichenschäden. Das ist schonmal das volle Programm. Trotzdem muss man sich schonmal fragen, ob an dieser Situation nur die Ereignisse schuld sind, die zu den Verzögerungen geführt haben, oder ob es da vielleicht nicht auch noch eine andere Komponente gibt. Schließlich wird ja heftigst an der unsichtbaren, digitalen Datenwelt gebaut, von der behauptet wird, dass sie die Macht besitze, solche Situationen zu vermeiden....Hat wohl nicht geklappt.
Erst kürzlich haben wir im Kollegenkreis Witze gemacht. Da ging es um unser neues Office Konzept, bei dem von vornherein einkalkuliert wird, dass die Mitarbeiter nicht jeden Tag anwesend sind. Deshalb werden die Büros kleiner und es findet so etwas wie eine Bürologistik statt. Keiner wird mehr einen eigenen Arbeitsplatz haben. Wir haben den Faden dann noch ein bisschen weiter gesponnen und sind auf die Idee des "Büros auf der Schiene" gekommen, das praktisch eine natürlicher Nachfolger unseres neuen Bürokonzepts und des "Lagers auf der Straße" ist. Dann braucht man gar keine Büros mehr und jeder Mitarbeiter verbringt seinen Arbeitstag einfach im Zug. Natürlich geht das nur, wenn eine Dauerfahrkarte billiger ist, als die Kosten, die jährlich für einen Büroarbeitsplatz eines Mitarbeiters aufgewendet werden müssen. Im Übrigen kann ich mir gut vorstellen, dass das so ist. Wenn man Miete, Reinigung, usw. mit einrechnet, kommt sicherlich ein hübsches Sümmchen zusammen.
Wir hatten dann auch noch die Idee des "Business Tracks", eine auf genau 8 Stunden Fahrzeit begrenzte Strecke, die man als Angestellter nehmen kann, um seinen Tag arbeitend in der Bahn herumzukriegen. Praktisch ein neuer Service der Bahn. Und wenn man neu ist, dann bekommt man zunächst eine Strecke, bei der man x-mal umsteigen muss. Erst wenn man sich hochgearbeitet hat, bekommt man die bequemeren mit weniger Umstiegen.
.oO( Unserer Philosophie zufolge wäre es also ein Merkmal der höheren Hierarchiestufe, dass man auf seinem Arsch sitzen bleiben kann, anstatt sich dauernd bewegen zu müssen )Oo.
Unter den heutigen Umständen ist ein solches Angebot undenkbar. Und ich frage mich noch einmal, woran es nun liegen kann, dass uns die tolle digitale Welt an Tagen wie heute nicht geholfen hat. Ich habe dazu ein These. Ich denke es liegt daran, dass sie falsch eingesetzt wird.
Man müsste meiner Meinung nach folgendes tun (speziell auf dieses Problem bezogen): Man müsste unterwegs - an den Schienen - Vorrichtungen anbringen, die es erlauben, den Zug zu identifizieren. Vielleicht auch nicht an den Schienen, sondern aus einem Kästchen an der Strecke, in dem ein "Lesegerät" eingebaut ist. Sagen wir mal, da ist ein Computer mit einem Empfänger und der Zug sendet. Sobald der Zug in den Bereich des Empfängers kommt, kann dieser ihn detektieren und ausrechnen, wie lange der Zug noch braucht, um bei ihm vorbei zu kommen. Dazu muss er den Zug natürlich mehrfach erfassen um seine Geschwindigkeit zu ermitteln.
Der Computer rechnet dann mit Hilfe seines Wissens seine Entfernung zum nächsten Haltebahnhof des Zugs aus, wann dieser ihn erreichen wird. Nun kann beim Bahnhof mit Hilfe des Fahrplanwissens eine entsprechende Verzögerung angerechnet werden. Im Prinzip muss sichergestellt sein, dass der Zug immer von einem Empfänger erfasst werden kann. der Empfänger, der dies tut, kann dann zyklisch die Ankunftszeitberechnen. Somit könnte ein Immer ein Update stattfinden.
Auf Basis des zyklischen Updates könnte nun ein Algorithmus errechnen, ob es sinnvoll ist, einen Ersatzzug einzusetzen und wie dieser dimensioniert sein müsste.Hierzu verwendet er Informationen über Buchungen auf der Strecke, auf der der Zug ausfällt und Informationen über die Wirtschaftlichkeit.
OK, was ich eigentlich ausdrücken will, ist, dass es entscheidend ist, welche Daten und Informationen herangezogen werden, damit ein IT System sinnvoll ist. Das Modell entscheidet über den Erfolg. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass das Modell einen starken Bezug zur Realität haben muss, um sinnvoll einsetzbar zu sein. Nur dann ist es möglich, dass auch Entscheidungen zu treffen, die in der echten Welt eine Erleichterung und damit eine Verbesserung bewirken.
Freitag, 2. Juli 2010
Körperlosigkeit
Interessant ist, dass dann ein echter Computer als Software (Dateien) existiert, d.h. es gibt dann eine Menge von Daten auf dem Computer, die sein Verhalten exakt beschreiben. Diese Daten nennt man dann "virtueller Computer" oder "virtuelle Maschine". (Jeder, der sich mit dem Thema auskennt, möge mir verzeihen. Ich weiss, dass dies keine exakte Beschreibung oder Definition einer VM ist, aber ich denke, so kann es auch ein Nicht-ITler verstehen.) Und mit diesen Daten, kann man natürlich alles das tun, was man so mit Daten machen kann - z.B. sie Kopieren. Und zwar sehr einfach.
Durch die Repräsentation des Computers als Software hat man ihn praktisch körperlos gemacht. Man kann so einen körperlosen Computer genauso nutzen, wie einen echten, man kann z.B. software rein installieren. Er wird somit zu einer körüerlosen Hülle, die jedoch nur von aussen körperlos erscheint. Die Software, die man vorher auf einen echten Computer installiert hat, war natürlich auch körperlos, aber wenn man ihr beigebracht hat, Eigenschaften eines echten Computers zu erfassen, um herauszufinden, ob sie legal oder illegal genutzt wird, dann konnte sie sich praktisch an einem Ding in der echten Welt festhalten und so selbst ein bisschen zu einem Ding in der echten Welt geworden. Mit einem körperlosen Computer geht dies nicht mehr. Man kann ihn selbst nämlich mirnichtsdirnichts von einem echten auf einen anderen echten Computer übertragen und die darauf installierten Programme bekommen davon nichts mit.
Virtualität der Stufe 2.
Aber der Drang zur Körperlosigkeit ist auch an anderer Stelle sehr deutlich zu erkennen. Letztens habe ich ein bisschen über Drahtlose Sensornetzwerke nachgedacht und auch die eine oder andere Seite zum Thema ubiquitous Computing angeschaut. Ich muss sagen, das ist mal ein abgefahrenes Zeug. In meinem letzten Blog-Eintrag habe ich mir Gedanken über eine andere Art der Computerbenutzung gemacht. Ich glaube mitlerweile, dass man mit drahtlosen Sensornetzwerken einen Schritt in diese Richtung tut. Stelle ich mir ein solches Netzwerk vor, das aus vielen verschiedenen Sensoren besteht, dann ist es nur ein kleiner Sprung in die Richtung, dass einer von ihnen Sprache aufnimmt, ein anderer eine Bewegung oder eine Geste und die Kombination aus beidem erlaubt der dahinterliegenden Logik eine bestimmte Situation zu erkennen.
Sicherlich, es bleibt spannend, herauszufinden, wie der Rechner dann aus der erkannten Situation eine entsprechende Reaktion - eine Handlung generiert. Da steckt ja dann die Intelligenz drinne. Einfaches tabellarisches Nachschlagen oder Interpretieren eines gespeicherten Modells, setzen immer noch voraus, dass vorher jemand dem Computer begebracht hat, was er zu tun hat. Aber egal - das reicht vielleicht auch schon, zu intelligente Computer sind sicherlich nicht das, was man als Mensch haben will.
Da fällt mir noch etwas Tolles ein. Heute habe ich ein Video auf TED gesehen. Da haben sich zwei Leute hingestellt und haben postuliert, dass eine große Herausforderung für die Wissenschaft sei, Informationen in Materialien zu kodieren, sodass diese dann in der Lage sind, durch sogenannte Self-Assembly sich zu einem höherwertigen - für den Menschen nützlichen - Ding zusammen zu setzen. Einer von denen war vom Center for Bits and Atoms des MIT.
Das ist praktisch eine Umkehrung des Trends der Virtualisierung. Hier wird die Berechnung eines Ergebnisses nicht von einem Computer in der Welt gemacht, sondern von der Welt selbst - The Universe as a computer.
Virtualität der Stufe 0.
Freitag, 25. Juni 2010
Reverse Virtual Reality
Und dann gehts los. Jetzt ist dieser ganze Kram im Rechner drinne und jetzt muss man wieder rankommen. Mit einem - Achtung! - Human-Machine-Interface (HMI), einer grafischen Benutzeroberfläche (GUI). Es werden Metaphern wie "Fenster" und "Schreibtisch" verwendet, um an die ganzen schönen digitalen Repräsentanten ranzukommen und ein Mensch, der es nicht gewöhnt ist, sich mit Rechnern zu beschäftigen, der bricht sich bald die Finger und rauft sich die Haare über die Dinge, die der Computer versucht, ihm zu sagen. Das ist doch alles Humbug.
Es gehört genau anders herum. Die Dinge des Lebens gehören nicht in den Computer, sondern der Computer gehört in die Dinge des Lebens - und zwar so, dass man einfach darauf zugreifen kann.
Jetzt werden die Schlauen natürlich sagen: "Mann, um sowas hinzukriegen, braucht man doch massenweise Informationen im Computer." Das stimmt ja auch, aber es sind die Informationen, die mein Leben erschweren, um einen Service zu nutzen, und nicht die, mit denen ich sowieso zu tun habe. Somit gehören nur die Kompliziertmacher und nicht die Eh-Da-Dinge in den Computer. Und wenn ein Computer diese Kompliziertmacher managet und sich selbst in einem Eh-Da-Ding verbirgt, dann entsteht auch der Eindruck, dass ein Eh-Da-Ding besser geworden ist, weil man es für neue Zwecke einsetzen kann.
Um das jetzt einmal zu konkretisieren: Wenn man also ein Spiel herstellen will, das dem Nutzer erlaubt in einer Virtuellen Welt Dinge zu tun, die er in der echten Welt nicht tun kann, dann stellt sich die Frage: Wie kann man ein solches Spiel auf die Eh-Da-Dinge im Leben verteilen. Welches Eh-Da-Ding in der echten Welt muss welche Spielfunktionalität bereitstellen, damit der Nutzer für das Spiel nicht lernen muss, einen Computer zu bedienen. Weiter: Wenn ein Nutzer z.B. ein Bahnticket haben will, dann ist es notwendig, dass durch ein natürliches Verhalten dem Nutzer die Gelegenheit gegeben wird, mit einer Institution in Kontakt zu treten, die diesen Wunsch erfüllen kann (z.B. durch Ansprechen). Er muss den Wunsch äußern und in einer natürliche Art und Weise einen Dialog führen können, um den Wunsch erfüllt zu bekommen. Das Herstellen der Verbindung ist dabei nur ein notwendiges Übel.
Ein Beispiel: Wenn ich ein Bahnticket bestellen will, dann hab ich keine Lust, erst den Rechner anzumachen, den Browser zu starten, auf das Lesezeichen "www.bahn.de" zu klicken und anschließend in wirklich hässlichen Eingabezeilen einzutragen, von wo, nach wo, um welche Uhrzeit ich fahren will. Ich stelle mir das eher so vor: Ich laufe gerade durch meine Wohnung, um meine Taschen zu packen, merke, dass ich noch kein Ticket habe und sage "Bahn". Eine freundliche Stimme fragt mich: "Startbahnhof", ich sage: "München". Die Stimme fragt mich: "Zielbahnhof", ich sage: "Hamburg". Sie fragt: "Schnell oder billig", ich sage: "Beides". Sie sagt nichts mehr, sondern wählt die Verbindung, auf die die genannten Kriterien zutreffen aus und bestätigt nur noch mit "Buchung erledigt! Sie haben Platz Nummer 3 in Wagen 5.", dass alles geklappt hat.
Man könnte nun den Eindruck bekommen, dass dieses Posting in einem Widerspruch zu früheren steht und in einer gewissen Weise tut es das auch. Vor einiger Zeit habe ich mich kritisch zum Thema "Intelligenz von Maschinen" geäußert. Die logische Schlussfolgerung aus diesem Posting ist, dass Maschinen (Computer) unbedingt intelligenter - in dem Sinn, dass sie mehr Daten bekommen - werden müssen, um irgendwann einmal sinnvoll bedienbar sein zu können. Und natürlich bin ich immer noch der Meinung, dass eine solche Entwicklung den Mensch auf keinen Fall ausser Acht lassen darf und dass mit einem scharfen Auge (oder besser: etwas Prakmatismus) darauf geachtet werden muss, dass Maschinen (Computer) nur für Dinge verwandt werden sollen, bei denen die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleibt.
Update: Man könnte meinen, dass ich diesen Text von Mark Weiser abgeschrieben habe. Dem ist nicht so. Leider habe ich erst nach dem Verfassen dieses Blog-Eintrags von The Computer of the 21st Century erfahren.
Montag, 21. Juni 2010
Urlaubsendmeditation
Im Zimmer gibt es einen Fernseher mit Satellitenempfang, den wir in den vergangenen 8 Tagen nicht ein einziges Mal benutzt haben. Nur heute habe ich einen halbherzigen Versuch unternommen, einen deutschen Fernsehsender anschauen zu können. Wir wollten wissen wie das Wetter bei unserer Rückreise sein wird. Es hat nicht geklappt.
Ich habe gerade meine heutige "Lesestunde" beendet. William Gibson - Ferien. Zuerst die "Neuromancer-Trilogie" zu Ende gelesen und jetzt habe ich gerade "Virtuelles Licht" in der Hand. Gibson schreibt genial. Cyberpunk Poesie. Ich habe mal irgendwo eine Kritik gelesen, die "Neuromancer" bescheinigt, keinen Bezug zum Leben zu haben, aber gut geschrieben zu sein. Ich kann nur dem zweiten Teil zustimmen.
Gibson hat dieses Buch vor 20-25 Jahren geschrieben und für mich gibt es ein zwar übertriebenes aber trotzdem richtiges Bild der heutigen Welt wider. Diese Vermischung von echter Welt und "Datenwelt", die er beschreibt trifft meine Sichtweise praktisch auf den Punkt. Das Gefühl ist Melancholie. Und auch hier wieder eine Punktlandung.
Zitat aus "Virtuelles Licht": Wir haben nicht nur das Ende des Jahrhunderts hinter uns gebracht, die Jahrtausendwende, sondern wir sind auch ans Ende von etwas anderem gelangt. Einer Ära? Eines Paradigmas? Überall steht unsichtbar, "aus und vorbei"
So etwas lässt mich nachdenklich werden - und umso mehr, je mehr mir klar wird, dass man den ganzen Medienzirkus, der uns umgibt, nicht braucht. Seit 8 Tagen schauen wir uns nun diese Insel an und der Eindruck, der sich immer wieder einstellt, ist "Ist das schön". Eine grüne Insel voller Blumen und vielfältiger Gewächse. Eine kleine Ferienanlage mit Blick auf den Atlantik. Kleine Straßen und - dank Reiseführer - immer wieder gute Restaurants, in denen es gut schmeckt und schön und gepflegt aussieht.
Schade, dass ich morgen packen muss und übermorgen mitten in der Nacht wieder in die Maschinenwelt zurück muss.