Freitag, 2. Juli 2010

Körperlosigkeit

Kaum bin ich zurück in der Maschinenwelt, da gehts schon wieder los in meinem Kopf, ratter, ratter...Gestern habe ich an einem Meeting teilgenommen, in dem ging es um Virtualisierung. Das ist ein aktueller Trend in der IT. Ganz einfach ausgedrückt will man bei Virtualisierung in einem Rechner mehrere Rechner Instanzen simulieren. Ein Computer kann dann also so tun, als ob er viele Computer ist. Klingt ja erstmal nicht schlecht.

Interessant ist, dass dann ein echter Computer als Software (Dateien) existiert, d.h. es gibt dann eine Menge von Daten auf dem Computer, die sein Verhalten exakt beschreiben. Diese Daten nennt man dann "virtueller Computer" oder "virtuelle Maschine". (Jeder, der sich mit dem Thema auskennt, möge mir verzeihen. Ich weiss, dass dies keine exakte Beschreibung oder Definition einer VM ist, aber ich denke, so kann es auch ein Nicht-ITler verstehen.) Und mit diesen Daten, kann man natürlich alles das tun, was man so mit Daten machen kann - z.B. sie Kopieren. Und zwar sehr einfach.

Durch die Repräsentation des Computers als Software hat man ihn praktisch körperlos gemacht. Man kann so einen körperlosen Computer genauso nutzen, wie einen echten, man kann z.B. software rein installieren. Er wird somit zu einer körüerlosen Hülle, die jedoch nur von aussen körperlos erscheint. Die Software, die man vorher auf einen echten Computer installiert hat, war natürlich auch körperlos, aber wenn man ihr beigebracht hat, Eigenschaften eines echten Computers zu erfassen, um herauszufinden, ob sie legal oder illegal genutzt wird, dann konnte sie sich praktisch an einem Ding in der echten Welt festhalten und so selbst ein bisschen zu einem Ding in der echten Welt geworden. Mit einem körperlosen Computer geht dies nicht mehr. Man kann ihn selbst nämlich mirnichtsdirnichts von einem echten auf einen anderen echten Computer übertragen und die darauf installierten Programme bekommen davon nichts mit.

Virtualität der Stufe 2.

Aber der Drang zur Körperlosigkeit ist auch an anderer Stelle sehr deutlich zu erkennen. Letztens habe ich ein bisschen über Drahtlose Sensornetzwerke nachgedacht und auch die eine oder andere Seite zum Thema ubiquitous Computing angeschaut. Ich muss sagen, das ist mal ein abgefahrenes Zeug. In meinem letzten Blog-Eintrag habe ich mir Gedanken über eine andere Art der Computerbenutzung gemacht. Ich glaube mitlerweile, dass man mit drahtlosen Sensornetzwerken einen Schritt in diese Richtung tut. Stelle ich mir ein solches Netzwerk vor, das aus vielen verschiedenen Sensoren besteht, dann ist es nur ein kleiner Sprung in die Richtung, dass einer von ihnen Sprache aufnimmt, ein anderer eine Bewegung oder eine Geste und die Kombination aus beidem erlaubt der dahinterliegenden Logik eine bestimmte Situation zu erkennen.

Sicherlich, es bleibt spannend, herauszufinden, wie der Rechner dann aus der erkannten Situation eine entsprechende Reaktion - eine Handlung generiert. Da steckt ja dann die Intelligenz drinne. Einfaches tabellarisches Nachschlagen oder Interpretieren eines gespeicherten Modells, setzen immer noch voraus, dass vorher jemand dem Computer begebracht hat, was er zu tun hat. Aber egal - das reicht vielleicht auch schon, zu intelligente Computer sind sicherlich nicht das, was man als Mensch haben will.

Da fällt mir noch etwas Tolles ein. Heute habe ich ein Video auf TED gesehen. Da haben sich zwei Leute hingestellt und haben postuliert, dass eine große Herausforderung für die Wissenschaft sei, Informationen in Materialien zu kodieren, sodass diese dann in der Lage sind, durch sogenannte Self-Assembly sich zu einem höherwertigen - für den Menschen nützlichen - Ding zusammen zu setzen. Einer von denen war vom Center for Bits and Atoms des MIT.

Das ist praktisch eine Umkehrung des Trends der Virtualisierung. Hier wird die Berechnung eines Ergebnisses nicht von einem Computer in der Welt gemacht, sondern von der Welt selbst - The Universe as a computer.

Virtualität der Stufe 0.

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