Dienstag, 28. Juni 2011

Inside the box

Beim Kaffee heute ging es äußerst politisch zu. Das ging schon beim Mittagessen los. Wie immer kam mein Chef mit einer Meinung rüber, die in jeglicher Hinsicht als populistisch einzustufen ist. "Wenn Griechenland wirklich pleite geht, dann wird unser Geld sicherlich bald nichts mehr wert sein. Vielleicht sollten wir es wirklich noch in einen Porsche anlegen." Was soll man dazu noch sagen...

Dann haben wir uns wiedermal ein bisschen über die Lage in Griechenland und über die auch so heftig hochgekochten Emotionen den "anderen" gegenüber ausgetauscht.

Schließlich wurde festgestellt, dass es im Endeffekt so sein wird, dass wir, also Deutschland, die Griechen aufkaufen werden. Geld haben sie ja schließlich keins mehr. Naja, interessanter war, dass wir später - bei besagtem Kaffee - dann darauf gekommen sind, dass die EU eigentlich die Schuld trägt, da durch sie erst ermöglicht wurde, dass internationale Unternehmen und Banken sich in anderen Ländern einkaufen können und dort nun mehr oder weniger direkt das Zepter schwingen. Das ist Globalisierung vom Feinsten.

Ich frage mich, ob die EU eine Auswirkung oder eine Ursache der Globalisierung ist. Bis heute hätte ich auf Auswirkung getippt. Irgendwo tief in mir war ich froh, dass ich in einem großen und mächtigen Wirtschaftsraum lebe, der es schafft, den USA und China paroli zu bieten. Aber die EU - oder besser gesagt den EU-Gedanke - gibt es ja nicht erst seit gestern. Das ging ja schon in der Mitte des letzten Jahrhunderts los. Und vielleicht ist es ja so, dass die anderen - also die USA und China - aufgrund der frühen Aktivitäten in Zentraleuropa - sich bedroht gefühlt haben. Vielleicht haben die ja reagiert....

Mein Kollege meinte, dass die wirtschaftliche Übernahme Griechenlands durch Deutschland einem Krieg gleichkommt. Eins ist mal klar: Wenn die Deutschen kommen und meinen, es besser zu können, als die Griechen, dann ist es Asche mit deren Selbstbestimmung. Im Prinzip stimmt es: Es ist ein Krieg der Wirtschaftssysteme. Und am Ende braucht Deutschland keinen Österreicher an der Spitze, um die Vorherrschaft in Europa zu erlangen.

Die Frage ist nur: Soll das so sein? Wollen wir das? Wir sehen ja was passiert, wenn ein lebenslustiges Volk wie die Griechen dazu genötigt wird, deutschen Maßstäben zu folgen. Es herrscht Chaos. Anderen Nationen würde es da sicherlich nicht anders gehen. Nicht, weil die Werte, die ihnen aufgezwungen werden, aus Deutschland kommen, sondern weil sie ihre eigenen - die die sie dann nicht mehr leben können - abhanden kommen.

Ich will das nicht. Ein System für alle. Das gibt es schon genug: Steuern muß man an das System zahlen, Bildung wird durch ein System geregelt. Alles ist geregelt. Man kann dem System aber auch nicht entkommen, denn wenn man das eine verläßt, ist man im anderen bereits drin. Ich will das nicht. Keiner will das. Jeder ist mit irgendeinem Aspekt der etablierten Systeme, die unser Leben regeln, unzufrieden zu sein. Wieso gibt es sie also? Wer hat sich eigentlich ausgedacht, dass Menschen nur in solchen Systemen zusammen leben können?

Meiner Meinung nach ist es so. Man müßte einander vertrauen...Dann braucht man auch keine Systeme um zu regeln, was passiert, wenn einer nicht tut, was er dem anderen versprochen hat. Und wenn das mal passiert, dann müßten alle soviel Mut haben zu sagen, dass es dafür schon einen entsprechenden Grund gibt.

Dann bräuchte man keine Systeme.....

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