Samstag, 10. Juli 2010

Die richtige Abstraktion

Heute ist so ein Tag, an dem denke ich, dass es ein Fehler war, den Job anzunehmen, den ich habe. Aber nicht wegen dem Job. Sondern wegen dem Ort, an dem er stattfindet. Nürnberg. Ich fahre jeden Tag zwei und eine halbe Stunde zur Arbeit. Von München nach Nürnberg. Ich finde das nicht ungewühnlich, da ich recht viel Energie habe und wenn die Arbeit passt (was sie tut - zumindest öfters, als dass sie es nicht tut), dann kann man sowas meiner Meinung nach schon in Kauf nehmen.

Ausser an Tagen wie heute.

Heute wollte ich zeitig zuhause sein. Deswegen bin ich mal sehr früh gegangen. Schon vor 13:00 Uhr. Ich hab im Internet geschaut, wann der nächste Zug geht, gesehen, dass die potentiellen Kandidaten ne derbe Verspätung haben und bin gleich losgewetzt. Wollte meine Tochter aus dem Kindergarten abholen, weil ich sie dreimal diese Woche am Abend nicht gesehen habe. Und was hats gebracht? Nichts. Ich sitze grad in einem ICE, der eine Stunde nach dem abgefahren ist, den ich eigentlich nehmen wollte und zusätzlich noch eine halbe Stunde Verspätung hat. Um dem ganzen einen letzten Schliff zu geben, wird er auch noch umgeleitet, was zu einer 30 Minuten längeren Fahrt führen wird. Dadurch komme ich gegen 16:30 Uhr in München an, was ziemlich genau eine Stunde nach dem Abholtermin meiner Tochter ist. Mit anderen Worten: Ich komme 50 Minuten zu spät.

Ich muss der Fairness halber sagen, dass die Bahn es heute nicht einfach hatte. Böschungsbrände, Personenschäden und Weichenschäden. Das ist schonmal das volle Programm. Trotzdem muss man sich schonmal fragen, ob an dieser Situation nur die Ereignisse schuld sind, die zu den Verzögerungen geführt haben, oder ob es da vielleicht nicht auch noch eine andere Komponente gibt. Schließlich wird ja heftigst an der unsichtbaren, digitalen Datenwelt gebaut, von der behauptet wird, dass sie die Macht besitze, solche Situationen zu vermeiden....Hat wohl nicht geklappt.

Erst kürzlich haben wir im Kollegenkreis Witze gemacht. Da ging es um unser neues Office Konzept, bei dem von vornherein einkalkuliert wird, dass die Mitarbeiter nicht jeden Tag anwesend sind. Deshalb werden die Büros kleiner und es findet so etwas wie eine Bürologistik statt. Keiner wird mehr einen eigenen Arbeitsplatz haben. Wir haben den Faden dann noch ein bisschen weiter gesponnen und sind auf die Idee des "Büros auf der Schiene" gekommen, das praktisch eine natürlicher Nachfolger unseres neuen Bürokonzepts und des "Lagers auf der Straße" ist. Dann braucht man gar keine Büros mehr und jeder Mitarbeiter verbringt seinen Arbeitstag einfach im Zug. Natürlich geht das nur, wenn eine Dauerfahrkarte billiger ist, als die Kosten, die jährlich für einen Büroarbeitsplatz eines Mitarbeiters aufgewendet werden müssen. Im Übrigen kann ich mir gut vorstellen, dass das so ist. Wenn man Miete, Reinigung, usw. mit einrechnet, kommt sicherlich ein hübsches Sümmchen zusammen.

Wir hatten dann auch noch die Idee des "Business Tracks", eine auf genau 8 Stunden Fahrzeit begrenzte Strecke, die man als Angestellter nehmen kann, um seinen Tag arbeitend in der Bahn herumzukriegen. Praktisch ein neuer Service der Bahn. Und wenn man neu ist, dann bekommt man zunächst eine Strecke, bei der man x-mal umsteigen muss. Erst wenn man sich hochgearbeitet hat, bekommt man die bequemeren mit weniger Umstiegen.

.oO( Unserer Philosophie zufolge wäre es also ein Merkmal der höheren Hierarchiestufe, dass man auf seinem Arsch sitzen bleiben kann, anstatt sich dauernd bewegen zu müssen )Oo.

Unter den heutigen Umständen ist ein solches Angebot undenkbar. Und ich frage mich noch einmal, woran es nun liegen kann, dass uns die tolle digitale Welt an Tagen wie heute nicht geholfen hat. Ich habe dazu ein These. Ich denke es liegt daran, dass sie falsch eingesetzt wird.

Man müsste meiner Meinung nach folgendes tun (speziell auf dieses Problem bezogen): Man müsste unterwegs - an den Schienen - Vorrichtungen anbringen, die es erlauben, den Zug zu identifizieren. Vielleicht auch nicht an den Schienen, sondern aus einem Kästchen an der Strecke, in dem ein "Lesegerät" eingebaut ist. Sagen wir mal, da ist ein Computer mit einem Empfänger und der Zug sendet. Sobald der Zug in den Bereich des Empfängers kommt, kann dieser ihn detektieren und ausrechnen, wie lange der Zug noch braucht, um bei ihm vorbei zu kommen. Dazu muss er den Zug natürlich mehrfach erfassen um seine Geschwindigkeit zu ermitteln.

Der Computer rechnet dann mit Hilfe seines Wissens seine Entfernung zum nächsten Haltebahnhof des Zugs aus, wann dieser ihn erreichen wird. Nun kann beim Bahnhof mit Hilfe des Fahrplanwissens eine entsprechende Verzögerung angerechnet werden. Im Prinzip muss sichergestellt sein, dass der Zug immer von einem Empfänger erfasst werden kann. der Empfänger, der dies tut, kann dann zyklisch die Ankunftszeitberechnen. Somit könnte ein Immer ein Update stattfinden.

Auf Basis des zyklischen Updates könnte nun ein Algorithmus errechnen, ob es sinnvoll ist, einen Ersatzzug einzusetzen und wie dieser dimensioniert sein müsste.Hierzu verwendet er Informationen über Buchungen auf der Strecke, auf der der Zug ausfällt und Informationen über die Wirtschaftlichkeit.

OK, was ich eigentlich ausdrücken will, ist, dass es entscheidend ist, welche Daten und Informationen herangezogen werden, damit ein IT System sinnvoll ist. Das Modell entscheidet über den Erfolg. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass das Modell einen starken Bezug zur Realität haben muss, um sinnvoll einsetzbar zu sein. Nur dann ist es möglich, dass auch Entscheidungen zu treffen, die in der echten Welt eine Erleichterung und damit eine Verbesserung bewirken.

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