Samstag, 22. Mai 2010

Prequel

Der Anlass dieses Postings ist nicht, dass mir wieder mal ein paar abstruse Gedanken durch den Kopf gegangen sind, sondern dass ich meine früheren Gedanken nun auch in Form eines Blogs darstellen möchte - und zwar unter: A nern on a search.

Die hab ich natürlich schon vor einer ganzen Weile geschrieben, weshalb sie sich auch mit einem etwas anderem Thema befassen. Trotzdem sind sie die Vorläufer dessen, was ich heute denke und haben mich deshalb hierhin gebracht.

Durch die Verkettung dieser beiden Blogs soll eine gewisse Verschiebung in den Kernpunkten, über die ich mir Gedanken mache, deutlich werden. War es früher die Technologie - im Besonderen C++ - so habe ich im Laufe der Zeit verstanden, dass Technologie nur so gut ist, wie sie von Menschen verstanden werden kann. Deshalb lege ich heutzutage mehr Wert darauf, dass technische Konzepte verstanden werden müssen. Und natürlich spielt sich das im Kopf des Menschen ab.

Dass die Welt zunehmend unsichtbar wird, ist dabei eine Auswirkung dessen, dass Menschen immer kompliziertere Konzepte verstehen und anwenden....

Freitag, 21. Mai 2010

Der König des Elfenbeinturms oder: Das Pendel

Ich kenne den König des Elfenbeinturms. Er ist verantwortlich dafür, dass eine Gruppe von Menschen für ihre Firma zielstrebig und sinnvoll (also so, dass am Ende ein Mehrwert herauskommt) arbeiten. Primär hat er Personalverantwortung. Aber trotzdem nimmt er immer wieder Einfluss auf Projekte, die von seinen Untergebenen gemacht werden sollen.

Der König des Elfenbeinturms hat vor vielen Jahren studiert und ist dann gleich "in die Wirtschaft" gegangen. Damit der Umstieg vom "freien Denken" hin zum zielstrebigen Arbeiten" aber nicht so schwer fällt, ist er in eine Forschungsabteilung gegangen. Dort hat es ihm so gut gefallen, dass er geblieben ist. Kein Druck, viel Geld, wenn etwas schiefgeht, schimpft niemand - schließlich ist in der Forschung nie so ganz klar, was am Ende rauskommen soll. Also kann ja auch mal nichts rauskommen....

Nun muss man eines wissen: Der König des Elfenbeinturms ist in einer Forschungsabteilung angekommen, in der er auch gar nicht mit der Aussenwelt kommunizieren durfte. Wieso? Weil er zu innovativ war, um dem gemeinen Volk in der Realität erzählen zu können, woran er gerade arbeitete. Das hätte ja dafür sorgen können, dass das gemeine Volk daran hätte teilhaben wollen. Dann wären sie vielleicht zu ihm gekommen und hätten gefragt, wann es fertig ist. Das ging nicht. Er hätte sich ja festlegen müssen und nicht mehr "frei schweben" können. Dann hätte es ja keinen "Freiraum" gegeben.

Wie dem auch sei: Über die Jahre nahm seine Karriere ihren Lauf und nach 20 Jahren war er dann verantwortlich für ein paar Leute. Eine hohe Stufe. Jetzt konnte er endlich seine elfenbeinischen Forschungen auf mehrere Köpfe verteilen. Auf den Geschmack gekommen liebäugelt er auch schon mit der nächsten Stufe. Noch mehr Leute. Vor seinem inneren Auge wird die ganze Welt zu Elfenbein. Doch dann kommt ein anderer aus der echten Welt. Und er schießt - angetrieben von dem ganzen Druck, der dort herrscht - in den Elfenbeinturm hinein und an unserem König vorbei, landet auf der Stufe über ihm und versperrt ihm so den Weg.

Am Boden zerstört zieht er sich in sich zurück und baut eine Barriere um sich herum auf. Er hat doch immer alles richtig gemacht. Die elfenbeinischen Forschungen betrieben, wie es von ihm verlangt wurde. Was lief nur falsch? Er beschließt, einfach weiter zu machen und seine Werte an seine paar Untergebenen weiter zu geben. Doch seine Untergebenen sind nicht blind. Wenn sie am Abend den Elfenbeinturm verlassen, dann sehen sie die echte Welt und fragen sich, wieso nie etwas von ihrer Arbeit draußen ankommt.

Langsam kommen sie dahinter, dass man in der echten Welt schaun muss, um etwas zu finden, das dort von Relevanz ist. Und dass wollen sie auch umsetzen. Vor jedem Projekt gehen sie zu ihrem König und bitten um die Erlaubnis, das gemeinen Volk befragen zu dürfen, was es bewegt. Doch der König sagt immer: "Nein. Denk Dir was aus!". Sie verstehen das nicht. Wieso will der König das nicht? Irgendwann ist ihre Geduld erschöpft. Sie kennen die Antwort auf ihre Frage ja schon und beschließen, ihre Projekte so durchzuführen, wie sie es für richtig halten. Für den König decken sie einfach einen Schleier aus Elfenbein darüber.

Und er ist es zufrieden. Wenigstens seine Untergebenen haben verstanden, dass Elfenbein gut ist...

Mittwoch, 19. Mai 2010

Pflicht

Letztes Wochenende war ich wiedermal zuhause bei meinen Eltern. Und wie es Tradition ist, kommt dann mein Bruder zu uns zum Essen und wir reden über dies und das. Und da er - genau wie ich - ein "Streiter", oder besser "Argumentierer", ist, werden unsere Diskussionen manchmal recht hitzig. Es ist toll, mit jemandem ein Thema zu diskutieren. Am besten sind die Diskussionen, während denen ich mir einmal eingestehen muss, dass ich kein Gegenargument habe.

Wie immer kamen wir vom Hundertsten ins Tausendste und am Ende waren wir wieder bei unserem Thema numero eins: Die Politik ist schlecht. Nun ist es so, dass unsere Herangehensweisen sich - wahrscheinlich aufgrund unserer unterschiedlichen Erfahrungen und Lebenssituationen - unterscheiden. Mein Bruder meint: "Das politische System ist schlecht. Ich kann auch nichts verändern, weil ich meine eigenen Kämpfe kämpfe und Egoist bin." Das ist ein legitimer Standpunkt. Vor allem vor einem biologischen Hintergrund ist gegen Egoismus nichts einzuwenden. Wer sonst sieht zu, dass es mir gut geht, wenn nicht ich. Ich jedoch bevorzuge, auch mal zu unseruchen, was man anders machen könnte. Ich gönne mir auch mal den Luxus, eine Sache nicht nur von meinem eigenen Standpunkt aus zu betrachten. Man könnte mich - und genau so ist es auch schon oft passiert - einen Idealist nennen. Das stimmt aber nicht. Ich bin auch ein Egoist - noch dazu ein ziemlich überzeugter.

Wie dem auch sei...Am Ende unserer Diskussion stand eine interessante Frage im Raum: Was muss man tun, um herauszufinden, ob ein Politiker nur wegen der guten ökonomischen Umstände diesen "Beruf" ergriffen hat, oder ob er es aus Überzeugung tut? Erst heute morgen habe ich in "Plus Minus" erst wieder einen Beitrag über die Verflechtungen von Politik und Banken gesehen und über die daraus resultierende Wirkungslosigkeit der neuen Maßnahmen zur Bankenregulierung. Und weil ich dieses Thema interessant finde, führten mich meine Gedanken darüber zu einem Gedankenexperiment....

Stellen wir uns vor, dass Politiker nicht gewählt werden - sondern sie werden verpflichtet. Wie wäre es, wenn es kein mit Privilegien versehener gut bezahlter Job ist, Politik für das Volk zu machen, sondern eine Pflicht. Und wieso sind Beamte eigentlich etwas besonderes? Weil sie mehr arbeiten? Kaum. Weil sie mehr Verantwortung tragen? Meiner Meinung nach auch nicht. Wenn ein Produktmanagement in einem Unternehmen sagt, was als nächstes angeboten werden soll und so die Strategie der Firma bestimmt, dann trägt es deutlich mehr Verantwortung für alle, die direkt von dieser Entscheidung abhängen, als irgendein Beamter in seinem Furzkämmerchen.

Wie stelle ich mir nun einen besseren Staatsapparat also vor? (Nur mal ein grober Beginn...)
  1. Politiker werden verpflichtet. Jedoch: Sie dürfen nicht kündigen. Ihre Entscheidungen werden bewertet. Vom Erfolg einer Entscheidung hängt das Einkommen ab. Sie dürfen keine Verbindungen zu irgendeinem Industrieunternehmen unterhalten. KEINE!. Tun sie es doch, werden sie bestraft: Gefängnis - für die Dauer ihrer Amtszeit. An ihre Stelle wird ein neuer Politiker berufen. Politiker besitzen keine Imunität.

  2. Beamte gehören zu einer Firma, die die Staatsbürokratie bearbeitet. Diese Firma muss zumindest kostendeckend arbeiten, wenn nicht sogar einen Gewinn erwirtschaften. Sie bekommt einen Teil der Steuereinnahmen als Budget zugewiesen. Das muss reichen. Der Leiter der Firma zeichnet für das Ergebnis verantwortlich. Er wird auch verpflichtet - zu denselben Bedingungen wie ein Politiker, nur dass seine Ziele sich an SEINEM Job ausrichten.

  3. Es gibt einen "Wächterrat". Er hat die Aufgabe, die Politiker zu bestimmen. Die Auswahl wird in einer öffentlichen "Zeremonie" durchgeführt. Die Entscheidungskriterien müssen klar dargestellt sein. Sie bestehen aus einer Kombination von räumlicher Streuung und Betrachtung individueller Eigenschaften. Ein psychologischer Test legt die Grundlage für die Möglichkeit der Verpflichtung. (Wenn ich mir die medizinischen Daten vorstelle, die somit automatisch verfügbar werden...) Wird festgestellt, dass eine Entscheidung nicht korrekt getroffen wurde (Kriterien sind festzulegen), dann wird das Verfahren wiederholt. Bei mehrmaliger Verfehlung wird das Mitglied des "Wächterrates" bestraft: Gefängnis.

  4. Es gibt auch eine Polizei: Sie hat neben ihrer Aufgabe, für Ordnung zu sorgen auch die Aufgabe, den Staatsapparat zu kontrollieren.

Hmm, ich denke gerade, dass das System sich selbst kontrollieren muss. Gibt es ein sich selbst offen und ehrlich überprüfendes und regulierendes System aus Menschen? Solange alle Menschen nur und ausschließlich als Individuen betrachtet werden, wohl eher nicht. Wenn ich so über meine Staatsidee reflektiere, dann hat sie als Kern, dass zum einen die Konsequenzen für Fehlverhalten drastischer werden müssten und dass die Orientierung vom Individuum hin zur Gemeinschaft erzwungen (und damit verstärkt) wird. Kann man das nicht auch ohne Druck erreichen? Kann man nicht erwarten, dass jeder neben seinem ihm eigenen Egoismus auch ein gerüttelt Maß an Kooperationsbereitschaft an den Tag legt, um zu erkennen, dass die eigenen Handlungen - wenn auch durch Egoismus motiviert - anderen zumindest nicht schaden

Wahrscheinlich bin ich doch ein Idealist oder zumindest ein idealistischer Egoist...