Dienstag, 25. Mai 2010

Reflection

Heute ist ein Tag, da möchte ich auch einen Beitrag zur unsichtbaren Welt leisten. Und zwar habe ich eine Weile darüber nachgedacht, welche Struktur wohl ein System haben müsste, damit es sich selbst regulieren kann. und was ich mir so ausgedacht habe, das ist diesem Bild zu sehen:



Dieses Bild erklärt sich natürlich nicht selbst, weshalb ich dazu auch gern noch ein paar Worte verliere. Die Darstellung zeigt eine "physische" Sicht und keine "logische". Das heißt dass die einzelnen Teilkomponenten sowie die "Drähte" sowie die Fließrichtung der Informationen zwischen ihnen dargestellt werden. Um ein logisches Modell darzustellen, müssten die Informationsflüsse selbst zwischen den Teilen des Systems eingezeichnet werden (Vielleicht mache ich das ja auch nochmal irgendwann).
  • Es gibt einen "Prozessor". Das ist die zentrale Denkeinheit. Darin ist nichts gespeichert. Er rechnet einfach nur. Das Interessante ist, dass dieser Prozessor als einziger eine Verbindung zu den Modellen besitzt, sodass er diese aktuallisieren kann. Er wird mit Werten aus den Eingängen "I" gefüttert. Liegen dort neue Werte an, so wird ein neuer Berechnungszyklus des Systems initiiert.
  • Die Modelle haben folgende Inhalte:
    • Das "Environment Model" stellt ein geistiges Abbild der Umgebung des Systems dar. Von seinem Inhalt habe ich keine Vorstellung. Da müsste ich mich wohl noch ein bisschen mit Kognitionswissenschaften befassen. Auf jeden Fall kann das Vorhandensein neuer Eingangswerte dazu führen, dass dieses Modell aktualisiert wird.
    • Das "System Model" stellt ein Abbild des Systems selbst dar. Dies wird dadurch verdeutlicht, dass innerhalb des System Models Abbilder aller Komponenten zu finden sind, die auch in dem System selbst vorhanden sind.
    • Das Goal Model repräsentiert die Ziele, die das System verfolgt. In gewisser Weise ist das so eine Art Zwischenspeicher, in dem die Gründe für die Aktionen des Systems abgelegt sind.
  • Damit das System auch etwas tun kann, gibt es "Functions". Sie repräsentieren die Fähigkeit des Systems, seine Umwelt zu manipulieren. Um dies zu erreichen, werden sie vom "Prozessor" mit den Eingangswerten versorgt.
  • Die von einer "Function" ausgeführte Aktion wirkt sich auf die Ausgänge "O" des Systems aus, indem dort neue Werte angelegt werden. Gleichzeitig kann eine Funktion auch dafür sorgen, dass eine neue Berechnungsschleife vom System durchlaufen wird. Das geschieht mit Hilfe eines entsprechenden Signals an den "Prozessor".
  • Weiterhin sendet eine "Function" an den "Prozessor" auch spezielle Signale, die eine Anpassung des "Goal Models" zur Folge haben. Das kann z.B. die Information sein, dass Treibstoff gebraucht wird, der für ihre Ausführung vonnöten ist. Da der "Prozessor" für seine Berechnung ständig sämtliche Informationen aus allen Modellen verwendet, wird diese neue Information auch mit ausgewertet.
Aus meiner jetzigen Sicht macht das Sinn...

Samstag, 22. Mai 2010

Prequel

Der Anlass dieses Postings ist nicht, dass mir wieder mal ein paar abstruse Gedanken durch den Kopf gegangen sind, sondern dass ich meine früheren Gedanken nun auch in Form eines Blogs darstellen möchte - und zwar unter: A nern on a search.

Die hab ich natürlich schon vor einer ganzen Weile geschrieben, weshalb sie sich auch mit einem etwas anderem Thema befassen. Trotzdem sind sie die Vorläufer dessen, was ich heute denke und haben mich deshalb hierhin gebracht.

Durch die Verkettung dieser beiden Blogs soll eine gewisse Verschiebung in den Kernpunkten, über die ich mir Gedanken mache, deutlich werden. War es früher die Technologie - im Besonderen C++ - so habe ich im Laufe der Zeit verstanden, dass Technologie nur so gut ist, wie sie von Menschen verstanden werden kann. Deshalb lege ich heutzutage mehr Wert darauf, dass technische Konzepte verstanden werden müssen. Und natürlich spielt sich das im Kopf des Menschen ab.

Dass die Welt zunehmend unsichtbar wird, ist dabei eine Auswirkung dessen, dass Menschen immer kompliziertere Konzepte verstehen und anwenden....

Freitag, 21. Mai 2010

Der König des Elfenbeinturms oder: Das Pendel

Ich kenne den König des Elfenbeinturms. Er ist verantwortlich dafür, dass eine Gruppe von Menschen für ihre Firma zielstrebig und sinnvoll (also so, dass am Ende ein Mehrwert herauskommt) arbeiten. Primär hat er Personalverantwortung. Aber trotzdem nimmt er immer wieder Einfluss auf Projekte, die von seinen Untergebenen gemacht werden sollen.

Der König des Elfenbeinturms hat vor vielen Jahren studiert und ist dann gleich "in die Wirtschaft" gegangen. Damit der Umstieg vom "freien Denken" hin zum zielstrebigen Arbeiten" aber nicht so schwer fällt, ist er in eine Forschungsabteilung gegangen. Dort hat es ihm so gut gefallen, dass er geblieben ist. Kein Druck, viel Geld, wenn etwas schiefgeht, schimpft niemand - schließlich ist in der Forschung nie so ganz klar, was am Ende rauskommen soll. Also kann ja auch mal nichts rauskommen....

Nun muss man eines wissen: Der König des Elfenbeinturms ist in einer Forschungsabteilung angekommen, in der er auch gar nicht mit der Aussenwelt kommunizieren durfte. Wieso? Weil er zu innovativ war, um dem gemeinen Volk in der Realität erzählen zu können, woran er gerade arbeitete. Das hätte ja dafür sorgen können, dass das gemeine Volk daran hätte teilhaben wollen. Dann wären sie vielleicht zu ihm gekommen und hätten gefragt, wann es fertig ist. Das ging nicht. Er hätte sich ja festlegen müssen und nicht mehr "frei schweben" können. Dann hätte es ja keinen "Freiraum" gegeben.

Wie dem auch sei: Über die Jahre nahm seine Karriere ihren Lauf und nach 20 Jahren war er dann verantwortlich für ein paar Leute. Eine hohe Stufe. Jetzt konnte er endlich seine elfenbeinischen Forschungen auf mehrere Köpfe verteilen. Auf den Geschmack gekommen liebäugelt er auch schon mit der nächsten Stufe. Noch mehr Leute. Vor seinem inneren Auge wird die ganze Welt zu Elfenbein. Doch dann kommt ein anderer aus der echten Welt. Und er schießt - angetrieben von dem ganzen Druck, der dort herrscht - in den Elfenbeinturm hinein und an unserem König vorbei, landet auf der Stufe über ihm und versperrt ihm so den Weg.

Am Boden zerstört zieht er sich in sich zurück und baut eine Barriere um sich herum auf. Er hat doch immer alles richtig gemacht. Die elfenbeinischen Forschungen betrieben, wie es von ihm verlangt wurde. Was lief nur falsch? Er beschließt, einfach weiter zu machen und seine Werte an seine paar Untergebenen weiter zu geben. Doch seine Untergebenen sind nicht blind. Wenn sie am Abend den Elfenbeinturm verlassen, dann sehen sie die echte Welt und fragen sich, wieso nie etwas von ihrer Arbeit draußen ankommt.

Langsam kommen sie dahinter, dass man in der echten Welt schaun muss, um etwas zu finden, das dort von Relevanz ist. Und dass wollen sie auch umsetzen. Vor jedem Projekt gehen sie zu ihrem König und bitten um die Erlaubnis, das gemeinen Volk befragen zu dürfen, was es bewegt. Doch der König sagt immer: "Nein. Denk Dir was aus!". Sie verstehen das nicht. Wieso will der König das nicht? Irgendwann ist ihre Geduld erschöpft. Sie kennen die Antwort auf ihre Frage ja schon und beschließen, ihre Projekte so durchzuführen, wie sie es für richtig halten. Für den König decken sie einfach einen Schleier aus Elfenbein darüber.

Und er ist es zufrieden. Wenigstens seine Untergebenen haben verstanden, dass Elfenbein gut ist...

Mittwoch, 19. Mai 2010

Pflicht

Letztes Wochenende war ich wiedermal zuhause bei meinen Eltern. Und wie es Tradition ist, kommt dann mein Bruder zu uns zum Essen und wir reden über dies und das. Und da er - genau wie ich - ein "Streiter", oder besser "Argumentierer", ist, werden unsere Diskussionen manchmal recht hitzig. Es ist toll, mit jemandem ein Thema zu diskutieren. Am besten sind die Diskussionen, während denen ich mir einmal eingestehen muss, dass ich kein Gegenargument habe.

Wie immer kamen wir vom Hundertsten ins Tausendste und am Ende waren wir wieder bei unserem Thema numero eins: Die Politik ist schlecht. Nun ist es so, dass unsere Herangehensweisen sich - wahrscheinlich aufgrund unserer unterschiedlichen Erfahrungen und Lebenssituationen - unterscheiden. Mein Bruder meint: "Das politische System ist schlecht. Ich kann auch nichts verändern, weil ich meine eigenen Kämpfe kämpfe und Egoist bin." Das ist ein legitimer Standpunkt. Vor allem vor einem biologischen Hintergrund ist gegen Egoismus nichts einzuwenden. Wer sonst sieht zu, dass es mir gut geht, wenn nicht ich. Ich jedoch bevorzuge, auch mal zu unseruchen, was man anders machen könnte. Ich gönne mir auch mal den Luxus, eine Sache nicht nur von meinem eigenen Standpunkt aus zu betrachten. Man könnte mich - und genau so ist es auch schon oft passiert - einen Idealist nennen. Das stimmt aber nicht. Ich bin auch ein Egoist - noch dazu ein ziemlich überzeugter.

Wie dem auch sei...Am Ende unserer Diskussion stand eine interessante Frage im Raum: Was muss man tun, um herauszufinden, ob ein Politiker nur wegen der guten ökonomischen Umstände diesen "Beruf" ergriffen hat, oder ob er es aus Überzeugung tut? Erst heute morgen habe ich in "Plus Minus" erst wieder einen Beitrag über die Verflechtungen von Politik und Banken gesehen und über die daraus resultierende Wirkungslosigkeit der neuen Maßnahmen zur Bankenregulierung. Und weil ich dieses Thema interessant finde, führten mich meine Gedanken darüber zu einem Gedankenexperiment....

Stellen wir uns vor, dass Politiker nicht gewählt werden - sondern sie werden verpflichtet. Wie wäre es, wenn es kein mit Privilegien versehener gut bezahlter Job ist, Politik für das Volk zu machen, sondern eine Pflicht. Und wieso sind Beamte eigentlich etwas besonderes? Weil sie mehr arbeiten? Kaum. Weil sie mehr Verantwortung tragen? Meiner Meinung nach auch nicht. Wenn ein Produktmanagement in einem Unternehmen sagt, was als nächstes angeboten werden soll und so die Strategie der Firma bestimmt, dann trägt es deutlich mehr Verantwortung für alle, die direkt von dieser Entscheidung abhängen, als irgendein Beamter in seinem Furzkämmerchen.

Wie stelle ich mir nun einen besseren Staatsapparat also vor? (Nur mal ein grober Beginn...)
  1. Politiker werden verpflichtet. Jedoch: Sie dürfen nicht kündigen. Ihre Entscheidungen werden bewertet. Vom Erfolg einer Entscheidung hängt das Einkommen ab. Sie dürfen keine Verbindungen zu irgendeinem Industrieunternehmen unterhalten. KEINE!. Tun sie es doch, werden sie bestraft: Gefängnis - für die Dauer ihrer Amtszeit. An ihre Stelle wird ein neuer Politiker berufen. Politiker besitzen keine Imunität.

  2. Beamte gehören zu einer Firma, die die Staatsbürokratie bearbeitet. Diese Firma muss zumindest kostendeckend arbeiten, wenn nicht sogar einen Gewinn erwirtschaften. Sie bekommt einen Teil der Steuereinnahmen als Budget zugewiesen. Das muss reichen. Der Leiter der Firma zeichnet für das Ergebnis verantwortlich. Er wird auch verpflichtet - zu denselben Bedingungen wie ein Politiker, nur dass seine Ziele sich an SEINEM Job ausrichten.

  3. Es gibt einen "Wächterrat". Er hat die Aufgabe, die Politiker zu bestimmen. Die Auswahl wird in einer öffentlichen "Zeremonie" durchgeführt. Die Entscheidungskriterien müssen klar dargestellt sein. Sie bestehen aus einer Kombination von räumlicher Streuung und Betrachtung individueller Eigenschaften. Ein psychologischer Test legt die Grundlage für die Möglichkeit der Verpflichtung. (Wenn ich mir die medizinischen Daten vorstelle, die somit automatisch verfügbar werden...) Wird festgestellt, dass eine Entscheidung nicht korrekt getroffen wurde (Kriterien sind festzulegen), dann wird das Verfahren wiederholt. Bei mehrmaliger Verfehlung wird das Mitglied des "Wächterrates" bestraft: Gefängnis.

  4. Es gibt auch eine Polizei: Sie hat neben ihrer Aufgabe, für Ordnung zu sorgen auch die Aufgabe, den Staatsapparat zu kontrollieren.

Hmm, ich denke gerade, dass das System sich selbst kontrollieren muss. Gibt es ein sich selbst offen und ehrlich überprüfendes und regulierendes System aus Menschen? Solange alle Menschen nur und ausschließlich als Individuen betrachtet werden, wohl eher nicht. Wenn ich so über meine Staatsidee reflektiere, dann hat sie als Kern, dass zum einen die Konsequenzen für Fehlverhalten drastischer werden müssten und dass die Orientierung vom Individuum hin zur Gemeinschaft erzwungen (und damit verstärkt) wird. Kann man das nicht auch ohne Druck erreichen? Kann man nicht erwarten, dass jeder neben seinem ihm eigenen Egoismus auch ein gerüttelt Maß an Kooperationsbereitschaft an den Tag legt, um zu erkennen, dass die eigenen Handlungen - wenn auch durch Egoismus motiviert - anderen zumindest nicht schaden

Wahrscheinlich bin ich doch ein Idealist oder zumindest ein idealistischer Egoist...

Dienstag, 18. Mai 2010

Die Herren des Nichts

Gestern abend habe ich zum Abschluss des Tages noch einmal Nachrichten gesehen - das "heute journal". Es ging - wie so oft in den letzten Tagen - um "die Rettung des Euro". In diesem Zusammenhang wurde der Chef der Europäischen Zentralbank in einem Interview zu der Maßnahme befragt, dass die EZB nun Schrottpapiere der Pleite-Europäer ankauft und so neues Geld in den Markt gibt. Dann fing er an zu referrieren - sprach etwas von "Bedrohung" und "Finanzmärkte nicht funktionieren" und und und.

Ich frage mich, wie die Welt wohl war, als es noch kein unsichtbares globales Geld gab. Das ist alles so weit weg, dass sich das doch kein Mensch vorstellen kann. Und ist es nicht seltsam, dass es Menschen in Brüssel gibt (was von meiner Heimat relativ weit entfernt ist), die Dinge verwalten, die ich nicht sehen kann, wobei sie damit mein zukünftiges Leben jedoch deutlich mehr zu beeinflussen scheinen, als die Tatsache, dass ich jeden Tag ca. 13 - 15 Stunden unterwegs bin, um zu arbeiten. Das gilt natürlich auch für das Leben meiner Tochter.

Und auch der Finanzmarkt ist soweit weg...aber anders. Kann sich eigentlich jemand einen Finanzmarkt vorstellen? OK, es gibt die Gebäude, in denen sich die Börsen befinden. Aber das ist ja nicht der Finanzmarkt.

Meine Mutter pauschalisiert immer gern: für sie sind die Öl-Multies und die Regierung ein und dasselbe und "die da oben" "machen eh, was sie wollen". Das teurere Benzin (wegen dem Ölpreis - schon wieder so ein unsichtbares Ding: Ölpreis) und die höhere Mehrwertsteuer (schonmal eine gesehen?) sind alle das gleiche. Ich verstehe jetzt ein bisschen besser, wieso das so ist: sie kann es sich einfach nicht vorstellen. Und mit dem Finanzmarkt ist es genau das gleiche...Wie kann ich ihr denn erklären, dass es nun "Spekulanten" gibt, die darauf Wetten, dass Staaten zahlungsunfähig werden, wenn man NICHTS, aber auch rein GAR NICHTS von all dem jemals gesehen, erlebt und erfahren hat?

Diese Situation ist ja noch nicht einmal zum Zeitpunkt ihrer Existenz ein Erlebnis in dem Sinne, wie man sich ein Erlebnis vorstellt. Und auch eine Erfahrung ist es nicht. (Ich fahre übrigens gerade mal wieder Zug und habe einen fantastischen Mischwald gesehen...findet ihr Mischwald auch so toll?)

Und wo ist das ganze globale unsichtbare Geld? Im Internet! Na dann ist ja gut, denn da sind wir auch alle - und zwar verbunden.... Aber verbindet dieses ganze Internet-Kommunikations-Abstraktions-Dingens, in dem über globales Geld, globales Dieses und globales Jenes "gesprochen" - äh 'tschuldigung, kommuniziert - wird, wirklich? Oder stellt es nur die Illusion einer Verbindung her.

Ich denke, dass der Mensch in der digitalen Welt allein gelassen wird. Man kann nichts von alledem sehen, sondern es sich nur noch vorstellen. Was machen eigentlich die Menschen, die keine Fantasie dafür haben? Wie wird es den Kindern gehen, deren Eltern nicht die geistigen oder finanziellen Mittel haben, diese Phänomene zugänglich zu machen? Der Mensch wird nicht nur allein gelassen, weil er sich selbst Zugang zur digitalen Welt beschaffen muss, sondern auch weil er sie sich vorstellen kann, wie er will. Jeder anders. In der digitalen Welt ist man ein Atom, das eingehüllt in einer Schicht des eigenen Vorstellungshorizonts schwerelos durch das dunkle Nichts schwebt. Die pure Isolation....

Vielleicht gibt es später einmal eine Zweiklassengesellschaft, die in Realos und Isolos eingeteilt wird. Ich werde Realo, hänge meinen Beruf als Informatiker an den Nagel und werde Schreiner (sofern es dann noch Bäume gibt).

Schlimmer noch als die Vorstellung, sich nicht vorstellen zu können, wie die Welt aussieht, ist die Vorstellung, dass man die Vorstellung eines anderen als Realität verkauft bekommt. Aber auch das passiert ja schon. Vor einiger Zeit habe ich den 5-jährigen Sohn eines Bekannten gesehen, wie er an dem 2 Tage zuvor geschenkten "Lerncomputer" (so ein Dreck - wie wärs mit Einstiegsdroge!!) gesessen hat. Mein erster Gedanke war: So wird er auch noch in 10 Jahren am Tisch sitzen, nur dass die Bilder, die er direkt ins Gehirn projiziert bekommt, dann andere sind...

Dienstag, 11. Mai 2010

Geheimsprache mit Hindernissen

Ich bin in einer Vofeldentwicklungsabteilung tätig. Meine derzeitige Arbeit bringt es mit sich, dass ich mich mit neuen Technologien, Trends und Schlagwörtern befasse, die - im Sinne der Company - zunächst einmal mit Leben gefüllt werden müssen. So sind "smart" und "intelligent" immer wieder mit von der Partie. Menschliche Eigenschaften, jedoch nicht im Zusammenhang mit Menschen oder auf sie bezogen - nein. Es geht immer um intelligente Dinge und Maschinen.
 
Alles wird intelligent.
 
Es gibt Companies, die wollen sogar einen ganzen "Smart Planet" und andere suggerieren uns, dass ein Telefon intelligent ist. Dabei kann man das Ding nur streicheln. Wollen wir wirklich, dass Maschinen und Gegenstände, die uns umgeben, intelligent werden? Ich find es schon ungewöhnlich genug, dass die Dinger überall an und in und um uns herum sind. Und dann sollen die auch noch intelligent sein? Vielleicht auch noch "denken" und "Entscheidungen fällen"? "Frau Meier, es tut uns leid. dass ihr Mann verschieden ist, aber der Herzschrittmacher hat entschieden, dass es Zeit ist." Oder wie wäre es mit einer Dose Cola, die für uns entscheidet, dass sie sich nicht öffnen läßt, weil sie über ihren eingebauten Sensor herausgefunden hat, dass unser Körperumfang um Vergleich zu unserer Größe unproportional ist (sprich: wir sind zu dick) und weil der Microchip mit dem darauf implementierten Reasoning nun herausgefunden hat, dass der Genuß einer weiteren Cola einer "Genesung" - schließlich bildet die Cola Dose "Zu dick sein" auf eine Form von Krankheit ab - nicht zuträglich ist.
 
Wollen wir das? Wie "modelliert" man Menschen so, dass eine Maschine herausfindet, wie sie mit unterschiedlichen Menschen richtig umgeht? Ist das die erste Form der Bewährungsprobe des Menschen gegenüber der Maschine?
 
Wobei: Wenn ich es genau bedenke, dann finde ich es gar nicht so schlimm, dass ein Ding, das gestreichelt werden will - so wie das IPhone -, als intelligent bezeichnet wird. "Gestreichelt werden wollen" ist ja schließlich auch eine menschliche Eigenschaft, die als Ursache für so ziemlich den größten Teil des menschlichen Handelns gesehen werden kann. Allerdings ist sie beim Mensch mit einer Intelligenz verbunden, die tiefer liegt.
 
Irgendwann gibt es bestimmt Maschinen, die nicht mehr vom Menschen gestreichelt werden wollen, sondern von anderen Maschinen....
 
Und alles redet miteinander.
 
Einer der Themenkreise, in dem ich mich aufhalte, beinhaltet eine Diskussion zum Thema "Internet der Dinge", "Dezentrale Kommunikation" und so weiter. Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt, dann kommen immer wieder Formulierungen, wie "Dann redet die Getränkeflasche mit dem LKW und fragt, wann sie da ist." Oder so ähnlich.
 
Die Menschen sind komisch. Gerade haben sie entdeckt, dass sie Maschinen für die "Unterstützung" der zwischenmenschlichen Kommunikation nutzen können (wobei selbst das nicht ohne eine gewisse Skepsis zu betrachten ist). Nun bringen sie den Maschinen bei, sich selbst untereinander zu unterhalten - und intelligent noch dazu. Und dabei sind Menschen selbst stetig damit bemüht, ein gegenseitiges Verständnis zu schaffen, Mißverständnisse auszuräumen und die richtigen Worte zu finden. Und das funktioniert oft genug nicht - im Kleinen zwischen einzelnen Personen und im Großen zwischen Bevölkerungsgruppen.
 
Wenn Menschen sich nicht verstehen, dann kann das unterschiedliche Folgen haben. Im schlimmsten Fall bekriegen sie sich. Im besten Fall versöhnen sie sich. Aber was machen Maschinen, wenn eine Kommunikation nicht funktioniert? Abstürzen?
 
In der Softwareentwicklung gibt es die Aussage, dass die Struktur eines Programmes die Kommunikationsstruktur derjenigen Organisation widerspiegelt, die das Programm erstellt hat. Ich frage mich, ob bei der Realisierung des "Internets der Dinge" auch die "Kommunikationsverluste", die uns in unserer zwischenmenschlichen Kommunikation immer wieder heimsuchen, mit realisiert werden.
 
Und wenn ja, wie werden sich diese "Verluste" äußern? Hängt die Reaktion einer Maschine nach einem Kommunikationsproblem vom Gemütszustand des Entwicklers zum Zeitpunkt der Implementierung ab? Unter dieser Betrachtungsweise man ernsthaft in Frage stellen, inwieweit Maschinen jemals wirklich nur der "fleißige Helfer" werden. Wahrscheinlicher ist, dass sie irgendwann den Menschen nachahmen - schließlich besitzen sie durch die Tatsache, dass sie von uns programmiert wurden unsere Meme - die sie zu allem Überfluss durch eine beliebig schnelle Replikation zu Temen "mutieren" werden.
 
Das ist lustig, jetzt komme ich in Fahrt.
 
Wer schützt Maschinen eigentlich davor, dass sie von Menschen programmiert werden? Ist das nicht notwendig? Ich bin für die Einberufung einer "Kommision zum Schutze der noch nicht programmierten Intelligenz". Und wie wird eigentlich mit Computer-Intelligenz-Krüppeln umgegangen - ich meine die ganzen mißratenen KI-Versuche, die seit den 60er Jahren gestartet wurden. Neueste Inkarnation: Semantic Web! Der Mensch hat noch nicht mal kapiert, was "Bedeutung" ist - naja, vielleicht bis auf ein paar kognitive Linguisten - und schon versucht er ein Computermodell davon zu erstellen. Ist das nicht eine Art Clonen mit garantiertem Mißerfolg?
 
Die Schlussfolgerung liegt nahe: Zum Schutze der Maschine vor dem Menschen sollten alle Versuche, menschliche Intelligenz und menschliche Kommunikation auf MAschinen zu übertragen, unterbunden werden.