Dienstag, 18. Mai 2010
Die Herren des Nichts
Ich frage mich, wie die Welt wohl war, als es noch kein unsichtbares globales Geld gab. Das ist alles so weit weg, dass sich das doch kein Mensch vorstellen kann. Und ist es nicht seltsam, dass es Menschen in Brüssel gibt (was von meiner Heimat relativ weit entfernt ist), die Dinge verwalten, die ich nicht sehen kann, wobei sie damit mein zukünftiges Leben jedoch deutlich mehr zu beeinflussen scheinen, als die Tatsache, dass ich jeden Tag ca. 13 - 15 Stunden unterwegs bin, um zu arbeiten. Das gilt natürlich auch für das Leben meiner Tochter.
Und auch der Finanzmarkt ist soweit weg...aber anders. Kann sich eigentlich jemand einen Finanzmarkt vorstellen? OK, es gibt die Gebäude, in denen sich die Börsen befinden. Aber das ist ja nicht der Finanzmarkt.
Meine Mutter pauschalisiert immer gern: für sie sind die Öl-Multies und die Regierung ein und dasselbe und "die da oben" "machen eh, was sie wollen". Das teurere Benzin (wegen dem Ölpreis - schon wieder so ein unsichtbares Ding: Ölpreis) und die höhere Mehrwertsteuer (schonmal eine gesehen?) sind alle das gleiche. Ich verstehe jetzt ein bisschen besser, wieso das so ist: sie kann es sich einfach nicht vorstellen. Und mit dem Finanzmarkt ist es genau das gleiche...Wie kann ich ihr denn erklären, dass es nun "Spekulanten" gibt, die darauf Wetten, dass Staaten zahlungsunfähig werden, wenn man NICHTS, aber auch rein GAR NICHTS von all dem jemals gesehen, erlebt und erfahren hat?
Diese Situation ist ja noch nicht einmal zum Zeitpunkt ihrer Existenz ein Erlebnis in dem Sinne, wie man sich ein Erlebnis vorstellt. Und auch eine Erfahrung ist es nicht. (Ich fahre übrigens gerade mal wieder Zug und habe einen fantastischen Mischwald gesehen...findet ihr Mischwald auch so toll?)
Und wo ist das ganze globale unsichtbare Geld? Im Internet! Na dann ist ja gut, denn da sind wir auch alle - und zwar verbunden.... Aber verbindet dieses ganze Internet-Kommunikations-Abstraktions-Dingens, in dem über globales Geld, globales Dieses und globales Jenes "gesprochen" - äh 'tschuldigung, kommuniziert - wird, wirklich? Oder stellt es nur die Illusion einer Verbindung her.
Ich denke, dass der Mensch in der digitalen Welt allein gelassen wird. Man kann nichts von alledem sehen, sondern es sich nur noch vorstellen. Was machen eigentlich die Menschen, die keine Fantasie dafür haben? Wie wird es den Kindern gehen, deren Eltern nicht die geistigen oder finanziellen Mittel haben, diese Phänomene zugänglich zu machen? Der Mensch wird nicht nur allein gelassen, weil er sich selbst Zugang zur digitalen Welt beschaffen muss, sondern auch weil er sie sich vorstellen kann, wie er will. Jeder anders. In der digitalen Welt ist man ein Atom, das eingehüllt in einer Schicht des eigenen Vorstellungshorizonts schwerelos durch das dunkle Nichts schwebt. Die pure Isolation....
Vielleicht gibt es später einmal eine Zweiklassengesellschaft, die in Realos und Isolos eingeteilt wird. Ich werde Realo, hänge meinen Beruf als Informatiker an den Nagel und werde Schreiner (sofern es dann noch Bäume gibt).
Schlimmer noch als die Vorstellung, sich nicht vorstellen zu können, wie die Welt aussieht, ist die Vorstellung, dass man die Vorstellung eines anderen als Realität verkauft bekommt. Aber auch das passiert ja schon. Vor einiger Zeit habe ich den 5-jährigen Sohn eines Bekannten gesehen, wie er an dem 2 Tage zuvor geschenkten "Lerncomputer" (so ein Dreck - wie wärs mit Einstiegsdroge!!) gesessen hat. Mein erster Gedanke war: So wird er auch noch in 10 Jahren am Tisch sitzen, nur dass die Bilder, die er direkt ins Gehirn projiziert bekommt, dann andere sind...
Dienstag, 11. Mai 2010
Geheimsprache mit Hindernissen
Dienstag, 27. April 2010
Immer noch Comics
Ich habe eine Mail mit einer "Folie" (gemeint ist eine Powerpoint-Präsentation) bekommen, die "vielleicht für mich interessant ist". Ich hab sie aufgemacht. Es waren Informationen zu neuen Sales Strukturen im Unternehmen.
Und während ich mir die "Folie" so anschaue, lehne ich mich zurück, lasse die Kombination aus Bildern und Textfetzen auf mich wirken. Da habe ich ein Dejavu.
Ich kenne das noch von früher, als ich noch Comics gelesen habe (ich habe immer noch welche im Schrank liegen). Das war auch so ein Informationsstakato, mit dem meine optischen Wahrnehmungskanäle bombardiert wurden.
Irgendwie sind solche Powerpoint-Präsentationen doch auch nur Comics, mit dem Unterschied, dass die Superhelden von damals durch die ultimativen Businessmaßnahmen ersetzt wurden, die dazu führen, dass alles NOCH BESSER wird. Den Platz des Antihelden Batman nimmt heutzutage der supergeniale Architekt ein, der mit seiner Superlösung (die er allerdings niemandem auf verständliche Art und Weise nahe bringen kann) alle überraschen will.
Ich frag mich allerdings, wer dann heute z.B. so eine Rolle wie "Faust" spielt. Es dreht sich irgendwie gerade alles im Kreis...